Düsseldorf: Kinder in NRW immer unsicherer auf dem Fahrrad

Düsseldorf : Kinder in NRW immer unsicherer auf dem Fahrrad

Immer mehr Kinder in Nordrhein-Westfalen können Experten zufolge nicht sicher Fahrrad fahren. Etwa jeder fünfte Grundschüler scheitert nach Angaben der Landesverkehrswacht NRW an den Anforderungen der Radfahrprüfung, die in der dritten und vierten Klasse abgenommen wird. Die „Rheinische Post” (Montag) hatte zuvor darüber berichtet.

„Es ist einfach keine Selbstverständlichkeit mehr, dass die Kinder von Haus aus Fahrradfahren lernen”, sagte Mathias Schiffmann von der Landesverkehrswacht am Montag. Viele Kinder hätten motorisch große Probleme. „Tendenziell bewegen sich die Kinder zu wenig. Früher war das Fahrrad ein Heiligtum, heute ist es eher das Smartphone”, sagte Schiffmann. Die Zahl der Kinder, die die Radfahrprüfung nicht bestehen und nachgeschult werden müssen, sei in den vergangenen zehn Jahren von 16 Prozent auf aktuell etwa 20 Prozent gestiegen.

Die Radfahrprüfung, die von der Landesregierung für Grundschüler vorgesehen ist, besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Das Radfahren falle vielen Kindern im Grundschulalter schwer, weil sie ohne viel Übung Geschwindigkeiten und Entfernungen oft noch nicht richtig einschätzen könnten, sagte Schiffmann.

Wie gefährlich das sei, zeige die seit Jahren konstant hohe Zahl an Schulwegunfällen in NRW: Allein 2017 seien 1082 Unfälle registriert worden, für sechs Kinder endeten sie tödlich. „Wir raten dazu, die Kinder nicht vor der Radfahrausbildung unbeaufsichtigt zur Schule fahren zu lassen”, mahnte Schiffmann.

Nach Einschätzung des Landesverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) mangelt es zudem vielerorts in NRW an sicheren Radwegen. „Grundsätzlich fehlt in vielen Städten eine gute Fahrrad-Infrastruktur - besonders für Kinder”, kritisierte Daniel Wegerich, Geschäftsführer des ADFC Nordrhein-Westfalen.

Allerdings müsse nicht nur das Netz an sicheren Radwegen ausgebaut werden. Es sei auch ein Umdenken in der Radfahrerziehung erforderlich. „Da muss wieder eine Selbstverständlichkeit erarbeitet werden”, sagte er. Viele Eltern seien so stark auf das Auto fokussiert, dass auch kurze Wege oft nicht mehr zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt würden. „Die Eltern können Radfahren wieder zum Thema machen, etwa durch gemeinsames Üben und durch Radausflüge an den Wochenenden”, riet Wegerich.

Auch durch Schulunterricht sollte die Beweglichkeit der Kinder und ihr Wissen über den Straßenverkehr gezielt gefördert werden, um ihnen das Radfahren wieder näherzubringen.

(dpa)
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