Düsseldorf: Kinder in Gefahr: Verdachtsfälle erneut gestiegen

Düsseldorf : Kinder in Gefahr: Verdachtsfälle erneut gestiegen

Die Jugendämter in Nordrhein-Westfalen gehen immer häufiger Hinweisen nach, dass Kinder vernachlässigt oder sogar misshandelt wurden. Die Behörden überprüften im vergangenen Jahr insgesamt 31.612 Verdachtsfälle.

Das waren fast 1100 beziehungsweise 3,5 Prozent mehr als 2013, teilte das Statistischen Landesamtes am Mittwoch in Düsseldorf mit. Bereits 2013 waren die Überprüfungen deutlich um knapp 2500 Verdachtsfälle oder 8,8 Prozent gestiegen. Der Kinderschutzbund NRW begrüßte angesichts der jüngsten Statistik, dass die Aufmerksamkeit für das Wohl der Kinder weiter gestiegen ist.

In 3902 Verdachtsfällen - also etwa jedem achten Fall - stellten die Jugendämter 2014 eine akute Gefährdung fest. Das waren fast 11 Prozent mehr als 2013. Am häufigsten fanden sie Anzeichen von Vernachlässigung. Die Jugendamtsmitarbeiter entdeckten aber auch Anhaltspunkte für körperliche oder psychische Misshandlungen sowie sexuelle Gewalt. Die Zuwachsraten in der einzelnen Kategorien lagen zwischen knapp 7 und gut 16 Prozent.

„Die Aufmerksamkeit ist gestiegen”, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband NRW, Martina Huxoll-von Ahn, der Deutschen Presse-Agentur. Durch Gesetzesänderungen seien weitere Personengruppen wie Ärzte gefordert, Hinweise aufzunehmen und unter Umständen das Jugendamt einzuschalten. Außerdem könnte eine umfangreichere Statistik auf Kommunalebene zum Anstieg der Zahlen beigetragen haben. Huxoll-von Ahn bewertete die gestiegene Aufmerksamkeit als positiv. In so manchen Verdachtsfällen, in denen keine akute Gefährdung vorliege, ergebe sich dann ein Unterstützungsangebot zum Wohl der Kinder.

Laut der NRW-Statistik wurden 2014 in 10.472 Verdachtsfällen zwar keine Gefährdungssituation, jedoch ein Hilfebedarf festgestellt. Bei 12.709 Verdachtsfällen stellte sich heraus, dass weder Gefährdung noch Hilfebedarf bestand. Die Jugendämter wurden bei jeweils etwa jedem fünften Fall durch Verwandte, Bekannte oder Nachbarn beziehungsweise durch Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung hingewiesen. Mitarbeiter von Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie Pflegepersonen waren in etwa jedem achten Fall Initiator einer Prüfung.

(dpa)