Region: Karneval im Sonnenschein: Diskussion um Sauf-Exzesse und #MeToo

Region: Karneval im Sonnenschein: Diskussion um Sauf-Exzesse und #MeToo

In den närrischen Hochburgen des Rheinlandes hat am Donnerstag unter blauem Himmel der Straßenkarneval begonnen. In vielen Städten stürmten die Frauen an Weiberfastnacht die Rathäuser und übernahmen symbolisch die Macht. So setzten in Düsseldorf die „Möhnen” den Bürgermeister gefangen. In Bonn griffen die Waschweiber an. In Köln forderte das Dreigestirn die Stadtschlüssel ein.

In den Karnevalshochburgen der Region wie Aachen und Eschweiler waren die Narren bereits seit dem Vormittag auf den Beinen.

Jecken an Weiberfastnacht vor dem Kölner Dom. Foto: Oliver Berg/dpa

In mehreren Städten appellierte die Polizei an die Narren, auf Verkleidungen als Terrorist und auf Waffenattrappen zu verzichten. In Köln ging zudem die Diskussion darüber weiter, ob der Karneval zu einem reinen Massenbesäufnis verkommt. Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, kritisierte: „Wer behauptet, der Karneval wäre nur Saufen und sonst nichts, der fügt damit dem Karneval und in der Folge der gesamten Stadt Köln einen echten Schaden zu.”

Köln: Jecken feiern in der Stadt Weiberfastnacht. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte zuvor in einem Interview gesagt: „Der Karneval ist in den letzten Jahren - oder eher Jahrzehnten - zu etwas geworden, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht, als dem, was unsere Karnevalskultur ausmacht.” Der Schriftsteller Navid Kermani sagte: „Wenn nur noch eine Verballermannisierung stattfindet, wenn die Spaßgesellschaft sozusagen durchdreht und es nur noch darum geht, zu grölen und sich möglichst schnell zu besaufen, laufe ich weg.”

Auch die #MeToo-Kampagne gegen Sexismus und Belästigung lieferte Gesprächsstoff. „Fiese Typen gibt es leider überall, ja, aber ich werde mir das Feiern auf keinen Fall vermiesen lassen”, sagte dazu „Nonne” Petra in Köln. Katrin im Obelix-Outfit sagte: „Ein bisschen Kuscheln ist okay, aber Nein heißt Nein, auch im Karneval.”

Bis zum frühen Abend blieb es in Köln allerdings vergleichsweise zivilisiert. „Die Polizei meldet: Es ist tiefenentspannt”, sagte Stadtsprecherin Inge Schürmann. „Die Leute sind gut drauf und einfach total zufrieden.” Die Zahl der Wildpinkler sei stark zurückgegangen. Dazu habe neben einer Verzehnfachung der Toilettenhäuschen sicher auch die Debatte der vergangenen Wochen beigetragen. Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei bezeichnete die Lage als „unauffällig”.

Am Morgen hatte eine Störung bei der Bahn viele Jecken und Karnevals-Touristen zunächst auf eine Geduldsprobe gestellt. Von einer Oberleitungsstörung am Knotenpunkt Düsseldorfer Hauptbahnhof waren zahlreiche Züge betroffen.

(dpa/red)
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