Aachen/Eschweiler/Düren: Karneval 2017: Schunkeln im Zeichen der Sicherheit

Aachen/Eschweiler/Düren : Karneval 2017: Schunkeln im Zeichen der Sicherheit

Schwere Fahrzeuge als Straßensperren, Betonpoller, bewaffnete Polizisten: Beim kommenden Straßenkarneval müssen sich die Jecken in der Region auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen einstellen. In Aachen, Eschweiler und Düren etwa ist geplant, die Karnevalszüge durch strategisch aufgestellte große Lastwagen vor möglichen Anschlägen zu schützen.

Auf diese Weise soll ein Attentat wie in Berlin verhindert werden, wo an einem Weihnachtsmarkt ein Attentäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast war. „Es wird definitiv Zufahrtshindernisse geben, die Attacken mit Lkw unmöglich machen sollen“, sagte der Aachener Stadtsprecher Bernd Büttgens im Januar.

Vor allem zentrale Orte wie der Kaiserplatz, die Normaluhr, Theaterplatz und die Ecke Löhergraben/Jakobstraße stehen im Fokus der Planer. Die rund vier Kilometer lange Strecke des Rosenmontagszugs und des Kinderzuges durch die Innenstadt komplett abzuriegeln, sei allerdings unmöglich.

Auch in Eschweiler, wo der größte Rosenmontagszug der Region stattfindet, wird die Stadt Straßensperren errichten. Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk helfen bei der Sicherung, mehrere Wirtschaftsbetriebe stellen die Fahrzeuge. In Düren wird das Technische Hilfswerk mit Großfahrzeugen die Hauptzufahrtsstraßen während des Zuges abszusperren.

„Möchten fröhliches Feiern ermöglichen“

In Köln, Düsseldorf und Bonn werden an den tollen Tagen Straßen ebenfalls mit großen Fahrzeugen, Containern oder Betonblöcken abgesperrt. „Trotzdem möchten wir den Menschen natürlich ein fröhliches Feiern ermöglichen”, sagt Susanna Heusgen, Sprecherin der Düsseldorfer Polizei. In Düsseldorf würden an einigen Stellen Beamte mit Maschinenpistolen stehen, berichtet Polizei-Sprecherin Heusgen. Es gebe zwar keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung, aber ein abstraktes Sicherheitsrisiko.

Ein mögliches Lkw-Fahrverbot für Teile der Düsseldorfer City wird nach Angaben der Stadt derzeit noch geprüft. In Köln dagegen ist dies schon beschlossene Sache: Mit Betonsperren, Lkw-Fahrverboten und einem Großaufgebot an Einsatzkräften wollen Polizei und Stadt beim Straßenkarneval für Sicherheit sorgen. „Bei drohenden Gefahren werden wir konsequent einschreiten”, kündigte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies am Donnerstag an.

Lastwagen dürfen am Karnevalssonntag und Rosenmontag nur mit Ausnahmegenehmigung in die Innenstadt fahren. „Fahrzeuge, die wir nicht richtig einschätzen können, werden schon weit außerhalb der eigentlichen Feierzonen kontrolliert.” An „neuralgischen Punkten” würden mit Hilfe von Betonhindernissen oder Polizeifahrzeugen Sperren errichtet. An den Kontrollpunkten seien auch Polizisten mit Maschinenpistolen im Einsatz.

Wie schon im Vorjahr stocken Polizei, Ordnungsamt und Verkehrsbetriebe ihr Personal von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag wieder deutlich auf. Die Bundespolizei will verdächtige Personen schon bei der Anreise in Zügen kontrollieren.

Mathies appellierte an alle Feiernden, verdächtige Beobachtungen sofort zu melden. Bei ihren Kostümen sollten Karnevalisten auf täuschend echt aussehende Spielzeugwaffen verzichten. „Niemand soll aus Angst auf seine Teilnahme am Straßenkarneval verzichten müssen”, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Sicherheit kostet Geld - vielerorts ein Problem

Viele Städte hatten bereits im vergangenen Jahr an Karneval die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Abgesehen von der Terrorgefahr stand speziell Köln damals noch zusätzlich unter dem Eindruck der massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht - allein an Weiberfastnacht waren in der Domstadt 2500 Polizisten auf der Straße, um ähnliche Vorfälle zu verhindern.

Die verstärkten Sicherheitsanforderungen kosten Geld - und das stellt vor allem die Karnevalisten abseits der großen Hochburgen vor Probleme. Der Festausschuss Leverkusener Karneval zum Beispiel kalkuliert mit bis zu 5000 Euro Mehrkosten, die nun größtenteils von Sponsoren übernommen würden. „Wir müssen dieses Mal zusätzliche Straßen absperren, und die Ordner müssen länger arbeiten”, erläutert Uwe Krause vom Festausschuss Leverkusener Karneval.

In Hilden stand der traditionelle Rosenmontagszug sogar kurzzeitig auf der Kippe: Zusätzliches Personal und Sperren sollten mehrere tausend Euro kosten. „Erst wussten wir gar nicht, wie wir das finanziell stemmen sollten”, sagt der Geschäftsführer des Carnevals Comitee Hilden, Klaus Hammermann. Zum Glück habe sich dann ein Sponsor gefunden, der acht Fahrzeuge für die Absperrungen bereitstelle. „Da ist uns wirklich ein Stein vom Herzen gefallen.”

Dass wegen der Terrorangst weniger Menschen an Karneval auf die Straße gehen werden, glaubt der Psychologe Stephan Grünewald aus jetziger Sicht nicht. „Karneval ist ein Fest des rauschhaften Vergessens. Man will sich von der Schwere befreien und in eine konsequenzlose Verwandlung eintauchen”, sagt der Mitbegründer des Rheingold-Instituts. „In schlechten Zeiten wollen die Menschen erst recht Karneval feiern.”

(red/dpa)