Karlspreis 2018: Emmanuel Macron legt einen fulminanten Auftritt hin

Aachen: Salut, Monsieur le président: Macron legt einen fulminanten Auftritt hin

Europa ist anstrengend, Europa macht Arbeit, Europa muss immer wieder neu erfunden werden. Das hatten Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, und Emmanuel Macron am Mittwochabend in Aachen betont. Doch dass Europa auch Spaß machen kann und spannend ist, hat der französische Präsident und designierte Karlspreisträger 2018 an seinem ersten Tag in Aachen selbst unter Beweis gestellt.

Es ist genau 19.34 Uhr, als Emmanuel Macron zu den Klängen von MGMT’s „Kids“ den Katschhof betritt und sich den Weg am Centre Charlemagne vorbei in Richtung Bühne bahnt. Für die Besucher des „Karlspreis Live“-Festivals, bei dem sich auch die Gewinner des Jugendkarlspreises präsentierten, ist das nur eine Verspätung von 20 Minuten. Doch hinter den Kulissen hat die verspätete Ankunft des Präsidenten viele Menschen in Atem gehalten.

Bereits um 17 Uhr hatte sich am Domhof eine beachtliche Menge Sicherheitspersonal, internationale Presse, Tihange-Gegner und natürlich neugierige Aachener versammelt. Gegen 17.30 Uhr sollte eigentlich die Führung für Emmanuel Macron und seine Gattin durch das Münster stattfinden. Doch der Präsident war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in Aachen. Der Domchor, der eigentlich für den hohen Besuch aus Frankreich singen sollte, nahm es gelassen, gönnte sich stattdessen am Münsterplatz ein Eis.

Wie sehr Macron das Bad in der Menge liebt, wurde in dem Moment klar, als er aus seinem Auto heraus und auf das Kopfsteinpflaster in der Aachener Altstadt trat. Statt sich gleich an die Delegation des Karlspreisdirektoriums zu wenden, die vor dem Dom auf ihn wartete, schüttelte er erst einmal fleißig Hände von Zuschauern, die so lange auf ihn gewartet hatten.

Nachdem der Präsident „alles Wichtige, was es im Dom zu sehen gibt“ (Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen und Moderator des Festivals auf dem Katschhof) innerhalb von einer Viertelstunde von Domprobst Manfred von Holtum präsentiert bekommen hatte, ging es auch schon auf die Bühne am Katschhof.
Voller stolz präsentierten ihm dort die die diesjährigen Jugendkarlspreisträger das Konzept hinter „Worcation“, dem Gewinnerprojekt. „Das ist großartig, ihr habt einen Preis bekommen“, sagt Macron, ein wenig stichelnd in Richtung der Jugendlichen. „Doch ihr müsst euch organisieren, ihr dürft euch nicht den Gegebenheiten unterwerfen, sonst bleibt ihr nur einer unter vielen Preisträgern.“ Doch neben erbaulichen Worten gab es vor allem Selfies mit dem französischen Präsidenten für die jungen Leute auf der Bühne.

Wie sehr man knapp bemessene Zeit nutzen kann, stellten Emmanuel Macron und Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung, bei einem kurzen Live-Interview unter Beweis. Ob man die europäische Jugend vernachlässigt habe, wollte Mathieu von Macron wissen, und welche deutsche Antwort auf seine französischen Ideen für Europa er von Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarte.

„Die jungen Leute haben ihre eigenen Ambitionen“, sagte Macron, es obliege nicht den Erwachsenen, über sie zu urteilen. Allerdings räumte er ein, dass man in südlichen Teilen Europas die Jugend vielleicht ein wenig vernachlässigt habe. „Wir hatten vor zehn Jahren eine schwere Wirtschaftskrise, die zu einer hohen Jugendarbeitslosigkeit geführt hat.“ Das spüre man gerade im Süden heute noch. Darum sei es wichtig, dass man in Europa investiere, nicht nur in Frankreich und Deutschland.

Europa müsse geübter, souveräner und demokratischer werden, um auf die Ängste, Egoismen und den Zorn zu reagieren, der die europäische Idee bedroht. Darum sehe er auch die Zukunft des Kontinents in einer engen deutsch-französischen Zusammenarbeit, die aber auch die anderen Mitgliedsstaaten eng mit einbindet.

Dann dankte Macron auch noch dem Aachener Publikum. Mit einem herzlichen „A demain!“ verabschiedete er sich vom Katschhof, von der gelaunten Band „Les Boules de Feu“ aus Reims, von denen er sich eine CD schenken ließ, von den Aachenern. Zumindest bis Donnerstag, seinem großen Tag, an dem er zum Karlspreisträger wird.

Der Programmablauf des Macron-Besuches

Am Tag der Preisverleihung selbst wird Emmanuel Macron um 9 Uhr das Pontifikalamt im Aachener Dom besuchen. Später finden trinationale Gespräche im Dienstzimmer des Oberbürgermeisters Marcel Philipp statt, zu denen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko eingeladen sind.

Der Festakt der Verleihung beginnt um 11.15 Uhr im Krönungssaal. Im Anschluss folgt das „Bad in der Menge“ auf dem Katschhof. Bei dieser Gelegenheit will Macron nicht nur die Aachener Bürger begrüßen, sondern auch so viele Hände wie möglich schütteln.

Die Begegnung mit den RWTH-Studenten im neuen Hörsaalzentrum CARL ist zwar nicht öffentlich zugänglich, wird aber ab 14.30 Uhr live auf Phoenix übertragen.

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