Brüssel: Kardinal klagt wegen Verletzung des Justizgeheimnisses

Brüssel: Kardinal klagt wegen Verletzung des Justizgeheimnisses

Der ehemalige Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Kardinal Godfried Danneels (77), hat Anzeige wegen Verletzung des Justizgeheimnisses erstattet.

Die jüngsten Veröffentlichungen von Details der Ermittlungen seien geeignet, den Ruf des Kardinals erneut irreparabel zu schädigen, kritisierte Danneels Sprecher Hans Geybels am Donnerstagabend. Die Behauptungen seien vollständig unbegründet.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag ausdrücklich klargestellt, dass gegen Danneels nicht wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt werde. Belgische Medien hatten zuvor berichtet, die Ermittler hätten auf dem Computer des Kardinals ein Nacktfoto einer Minderjährigen gefunden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erläuterte, es handele sich bei dem vermeintlich verdächtigen Foto in Wirklichkeit um ein Kunstwerk, das von der Webseite des öffentlich-rechtlichen flämischen Fernsehsenders VRT automatisch und ohne Wissen des Kardinals auf dessen Computer geladen worden sei.

Das Bild „La Douche II” der Künstlerin Laura Baudoux sei als Teil eines Talentwettbewerbs auf die Kulturwebseite des Senders gestellt worden. Das Bild spiele ebenso wenig eine Rolle für die Ermittlungen wie die CD-ROMs mit Unterlagen aus dem Fall Dutroux, die im Erzbistum Mechelen gefunden worden seien.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag bereits selbst Ermittlungen eingeleitet, um das Leck für die Veröffentlichungen von Ermittlungs-Details zu schließen.

Zugleich hatte eine Zeitung berichtet, dem zuständigen Untersuchungsrichter Wim De Troy könnte das Verfahren entzogen werden. Die Generalstaatsanwaltschaft werde Anfang kommender Woche einen Bericht vorlegen, ob die Ermittlungen korrekt geführt wurden.

De Troy hatte am 24. Juni bei einer Razzia am Sitz des Erzbistums Mechelen-Brüssel in Mechelen sowie bei der unabhängigen Kommission zur Aufklärung von Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche große Mengen Unterlagen beschlagnahmen lassen. Die Kirche äußerte sich verwundert über das Vorgehen der Justiz.

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