Aachen: Kaiserplatz-Galerie: „Katastrophale Nachricht für das Viertel”

Aachen: Kaiserplatz-Galerie: „Katastrophale Nachricht für das Viertel”

OB Marcel Philipp nahm kein Blatt vor den Mund und sprach von einer „katastrophalen Nachricht für das Viertel”. Denn die unendliche Geschichte der Kaiserplatz-Galerie geht weiter, aber nicht in der erwarteten Form. „Wir müssen eingestehen, dass sich im Sommer dort nichts bewegen wird,” meinte der OB am Mittwochmorgen.

Doch die Politik, das heißt hier die Mehrheitsfraktionen von CDU und Grünen, preschte wenige Stunden später wesentlich weiter vor. Nicht „eine einzige Briefmarke” sei ihm, so wetterte CDU-Fraktionschef Harald Baal zornesrot, eine Nachricht an die Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (PEA) mit ihrem Geschäftsführer Herbert Pontzen wert. Die Stadt sei von ihr bis heute nur „belogen und betrogen” worden, alle gesetzten Termine seien seit langem überzogen, die Geduld aufgebraucht.

Die Nachricht, die Baal nicht verschicken will, käme einem Paket gleich, denn sie wiegt schwer. Am Donnerstag im Planungsausschuss (17 Uhr, Raum 170 im Verwaltungsgebäude Marschiertor) wollen Grüne und CDU, so ihre planungspolitischen Sprecher Michael Rau und Maike Schlick, beschließen, dass die Verwaltung die Aufhebung des Bebauungsplans Nr. 891 Kaiserplatz-Galerie einleiten soll. Das wäre dann der Anfang vom Ende für das ambitionierte 240-Millionen-Projekt, das seit Jahren nicht vorankommt und bislang nichts als eine unansehnliche Brache am Fuße des Suermondt-Viertels geschaffen hat.

Dass die Mehrheitsfraktionen die Reißleine ziehen wollen, ist eine Reaktion auf das ihrer Meinung nach kaum vertrauenswürdige Verhalten der bisherigen Investoren. Doch auch die nunmehr scheinbar eindeutige Haltung der Politik hat Folgen. Für die Stadt und die betroffenen Geschäftsleute bedeutet dies: Die Trümmerlandschaft schlummert weitere Jahre vor sich hin. Allein die Aufhebung des alten und Entwicklung des neuen Bebauungsplans kann sich über anderthalb Jahre ziehen.

Zwar liegen die Kaufverträge für die Grundstücke bei Notaren in Hamburg und Aachen zur Erledigung bereit, doch die beiden Interessenten Strabag und ECE, die das neue Einkaufszentrum im Bereich Adalbertstraße errichten und betreiben wollen, verweigern ihre Unterschriften. Sie würden das Vorhaben gerne von der PEA übernehmen - inklusive der über 50 Grundstücke, die die Gesellschaft an Adalbertstraße, Adalbertsberg, Beeckstraße und Harscampstraße für das riesige Bauvorhaben erworben hat. Genau hier liegen aber die Probleme. Nach wie vor steht die zu bebauende Fläche nicht komplett zur Verfügung. Bei einigen Grundstücken sind Fragen offen, fünf Mieter wollen nicht ausziehen, Gespräche mit ihnen sind bislang anscheinend erfolglos geblieben. Trotz aller gegensätzlichen Beteuerungen ist die PEA hier nicht weitergekommen, ein Ende ist nicht abzusehen.

„Jetzt müssen wir eben eine ganz klare Linie ziehen”, beschrieb CDU-Fraktionschef Baal die verfahrene Situation. Auch Hinweise auf die Konsequenz, dass durch eine mögliche Insolvenz der PEA das Vorhaben über Jahre ruhe und eventuell Klagen auf die Stadt zukommen würden, hindert die Politik nicht daran, das ehrgeizige Projekt mit einem länger anhaltenden Paukenschlag zu beenden. „Deshalb haben wir damals”, erklärte der Grüne Michael Rau, „noch unter Rot-Grün einen ,städtebaulichen Vertrag mit den Investoren abgeschlossen und einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan in den Gremien beschlossen.” Jetzt, so Rau, sei es Zeit „für eine saubere Aufhebung” des Vertrages. Denn das Vorhaben, für den er gemacht sei, komme offensichtlich nicht in die Gänge, so dass die rechtliche Grundlage nach dem Verstreichen aller gewährten Termine entfallen sei.

Noch sei nichts verloren

Christdemokratin Schlick könnte sich durchaus vorstellen, dass dort „im Herzen der Stadt” der Schwerpunkt auf „kleinteilige Gewerbebebauung” und Wohnungen gelegt werde. Die komplette, rechtlich exakte Rückabwicklung des Projektes Kaiserplatz-Galerie könnte durchaus „sieben bis zehn Jahre” dauern.

Die Türe sei lange genug offen gewesen, unterstrich Baal. Mit dem Start der Rückabwicklung im Planungsausschuss fange sie an, sich langsam zu schließen, um bald „mit einem Rumms” zuzufallen. Der betroffene Projektentwickler, Herbert Pontzen, gab auf Anfrage der „Nachrichten” am Donnerstag keinen Kommentar ab.

Doch die Geschäftsführung der Kölner Strabag Real Estate GmbH, die parallel das Projekt am Büchel entwickelt, mochte das Thema Kaiserplatz-Galerie am Donnerstag noch nicht abhaken. Geschäftsführer Rainer Maria Schäfer: „Ich kann die Verärgerung der Stadt durchaus verstehen. Doch wir hier lassen uns von dieser Nervosität nicht anstecken.” Die Situation sei kompliziert, vor allem die Vorbereitung der Notarverträge brauche Zeit. Aber noch sei nichts verloren.