Aachen: JVA vor Ausbruch: Michalski nicht fluchtgefährdet

Aachen: JVA vor Ausbruch: Michalski nicht fluchtgefährdet

Knapp zwei Monate vor seiner spektakulären Flucht hielt die JVA Aachen den Schwerverbrecher Peter Paul Michalski nicht mehr für fluchtgefährdet und lockerte die Haft. Sein Komplize Michael Heckhoff probierte in der Fluchtvorbereitung eine Schreckschusspistole in seiner Zelle aus.

„Ich habe in der Zelle einen Schuss abgegeben. Ich wollte mal wissen wie laut das ist”, sagte er am Dienstag vor dem Aachener Landgericht.

Heckhoff hatte nach eigenen Angaben keine Angst erwischt zu werden: „Rechnet einer damit, dass im Knast geschossen wird?” Die Waffe spielte später beim Ausbruch der beiden Schwerverbrecher im November 2009 eine Rolle. Die Kriminellen waren tagelang auf der Flucht und hatten dabei Geiseln genommen.

Fachleute in der JVA beurteilten Michalski kurz vor der Flucht als unauffällig, angepasst und zukunftsorientiert. Er sei bereit gewesen für eine Behandlung und habe sich einen ehrenamtlichen Betreuer gewünscht. Am 1. Oktober 2009 beschloss die JVA: „Der Vermerk Fluchtgefahr ist zu löschen.” Zwei Wochen später sei Michalski in eine offene Abteilung verlegt worden, hieß es in den JVA-Akten. Die beiden Kriminellen hatten ihren Ausbruch damit begründet, im Strafvollzug keine Perspektive zu haben.

Die von Michalski befürchtete Verlegung, die er als entscheidend für die Flucht bezeichnete, sei mit keinem Wort in der Akte erwähnt, sagte der Vorsitzende Richter Hans-Günter Görgen. Die Verlegung von Sicherungsverwahrten stehe nicht in den JVA-Akten, sondern sei Sache des Ministeriums, sagte Verteidiger Andreas Chlosta. Michalski sei im Turnus von vier bis fünf Jahren verlegt worden. Er habe damit gerechnet bald wieder dran zu sein und dann wieder lange in Einzelhaft zu sitzen.