JVA Aachen: Drogenspürhund Freya im Einsatz

JVA Aachen : Freya macht Jagd auf Drogen im Knast

Die Aachener JVA hat jetzt einen Drogenspürhund. Auch für „Herrchen“ Michael Emundts ist das eine besondere Herausforderung - bis ins Privatleben hinein.

Freya macht kurzen Prozess. Nachdem Michael Emundts sie losgelassen hat, stürmt die belgische Schäferhündin in die Zelle. Ein paar Sekunden später ist sie schon fündig geworden. Diesmal ist es nur ein Spielzeug, das in dem eigens für den Pressetermin präparierten Raum versteckt worden ist. Im Alltag sucht Freya keine Spielzeuge. Sie sucht Drogen. Und auch das mit großem Erfolg.

Die zweijährige Vierbeinerin ist der erste Spezialeinsatzhund in der Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA). Anfang Mai hat Michael Emundts die Fachprüfung als Hundeführer bestanden. Seitdem sind Hund und Herrchen im Dauereinsatz. Und da gibt es reichlich Arbeit. Der Anteil der Drogenabhängigen unter den mehr als 700 Häftlingen im Aachener Knast schwanke zwischen 40 und 60 Prozent, rechnet Frank Mertzbach vor. Da seien die Alkoholiker noch nicht eingerechnet, sagt der JVA-Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes. Die Palette dessen, was hinter den hohen Mauern konsumiert wird, reicht von Hasch über synthetische Drogen bis Heroin. „Aktuell werden 73 Abhängige mit Methadon substituiert“, sagt Mertzbach.

Ganz oben auf der Tagesordnung

Den Kampf gegen Drogen hat sich die neue JVA-Chefin Elke Krüger ganz oben auf ihre Agenda geschrieben. Schon kurz nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte sie im Gespräch mit unserer Zeitung bekundet, alles tun zu wollen, um den Drogenmissbrauch in „ihrer“ Anstalt einzudämmen. Zudem hatte sie angekündigt, den Kampf gegen die Drogen nicht nur ihren rund 400 zweibeinigen Kolleginnen und Kollegen des Vollzugsdienstes überlassen zu wollen, sondern darüber hinaus einen Spürhund in Aachen zu stationieren. Etwas mehr als ein halbes Dutzend der Spezialschnüffler gibt es derzeit in den Gefängnissen des Landes. Seinerzeit lief gerade das Ausschreibungsverfahren für den Posten des Hundeführers.

Drogenspürhund Freya schnüffelt in einer Zelle. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wenige Monate später steht das Team Hund/Mensch parat. Die Wahl fiel auf den 31 Jahre alten Justizvollzugsbeamten Michael Emundts. Er selbst ist seit 2009 im Dienst. Sein neuer Job ist nicht gerade unkompliziert. „Wir haben den Kandidaten klargemacht, dass es mit der Freizeit nicht mehr weit hin ist, wenn man diesen 24-Stunden-Job macht“, schmunzelt Mertzbach. Was Emundts durchaus bestätigen kann: „Das hat schon alles weitgehend verändert“, sagt er. Warum also bewirbt man sich überhaupt um solch eine Aufgabe? „Ich habe großen Spaß an Hunden“, sagt er. Zwei Dalmatiner nennen er und seine Frau ihr Eigen. Aber Drogenspürhund Freya sei doch ein „ganz anderes Kaliber“. Rund zehn Stunden Beschäftigung brauche dieser Hund – jeden Tag. Da kann die eigene Freizeit tatsächlich ziemlich knapp werden. In der Familie habe er dennoch Rückhalt für seine Bewerbung gehabt: „Meine Frau ist selbst hundeverrückt.“ Wobei sie ihren Mann an manchen Tagen gar nicht mehr zu Gesicht bekommt. „Wir sind auf Anforderung im ganzen Land unterwegs“, beschreibt der 31-Jährige seine Aufgabe. Heute Aachen, morgen Bielefeld, übermorgen wieder woanders. 60.000 Kilometer können da locker im Jahr zusammenkommen.

Polizeihundeschule in Schloß Holte-Stukenbrock

Freya hechelt derweil heftig und wedelt freudig mit dem Schwanz. Im ersten Augenblick wirkt der zierliche Schäferhund wibbelig und nicht unbedingt gut erzogen. Von wegen. Ein kleiner Fingerzeit von Michael Emundts, und Freya reagiert im Bruchteil einer Sekunde. Die Hündin ist in Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld in der Polizeihundeschule ausgebildet worden. Auch Michael Emundts hat dort einen Lehrgang gemacht und die Prüfung bestanden.

Ein neues Team in der JVA Aachen: Hundeführer Michael Emundts mit Drogenspürhund Freya. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wie der erfahrene JVA-Beamte Frank Mertzbach zu erzählen weiß, sind der Kreativität beim Drogenschmuggel in den Knast kaum Grenzen gesetzt. Beliebt sei zum Beispiel das Präparieren von Süßigkeiten: „Da steckt dann in der Verpackung kein Schokoriegel mehr, sondern ein Haschischriegel.“ Rund 400 Gramm Drogen wurden 2018 in der Aachener JVA sichergestellt. Im ersten Quartal 2019 waren es laut Mertzbach schon 256 Gramm. Das Problem wird also kaum kleiner. Allerdings kann Freya die Drogen meist erst finden, wenn sie schon hinter Gittern gelandet sind. Präventiv Besucher oder Bedienstete abzuschnüffeln sei verboten, sagt Emundts. Insgesamt, so Mertzbach, früher viele Jahre Personalratsvorsitzender der Aachener JVA, seien noch mehr Drogenspürhunde wünschenswert. Und mehr zweibeinige Kollegen. Aktuell gebe es zwölf freie Stellen in Aachen. Es sei eben auch im Vollzugsdienst wie bei vielen anderen Behörden und Berufen zunehmend schwieriger, Nachwuchs zu werben und einzustellen.

Freya jedenfalls hat sichtlich Spaß an ihrem Job. Michael Emundts auch. Und wie lange kann Freya am Stück schnüffeln? „Zehn Minuten sind von der Anstrengung her so viel, wie 30 Minuten joggen für einen Menschen“, erzählt Emundts.

Übrigens gibt es auch schon Spürnasen, die auf Mobiltelefone spezialisiert sind. Vielleicht demnächst auch in Aachen? Das wäre dann eine andere Geschichte.

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