Juwels: Schnellster Computer in Deutschland in Jülich

„Juwels“ : Deutschlands schnellster Supercomputer steht in Jülich

Im Jülicher Forschungszentrum ist am Dienstag der Supercomputer „Juwels“ offiziell eingeweiht worden. Die Anlage ist ein sogenannter Höchstleistungsrechner - der schnellste in Deutschland.

Ein wenig Trennungsschmerz verspürt der Jülicher Computer-Forscher Thomas Lippert schon. Denn mit dem offiziellen Startschuss für den neuen Jülicher Supercomputer Juwels am Dienstagmittag war die Zeit abgelaufen für den Vorgänger Juqueen.

„Eine tolle Maschine“, sagt Lippert, Professor am Forschungszentrum Jülich (FZJ) und Leiter des dortigen Supercomputing Centers über Juqueen, die zwar noch in der großen Rechnerhalle steht, aber nicht mehr mit Strom versorgt wird. Der fließt schon seit ein paar Wochen durch Juwels.

Juqueen sei in der Anwendung zwar wie ein Rennwagen gewesen – schnell und sehr unbequem – aber trotzdem zuverlässig. Gleichzeitig freue er sich auf die neue Zeitrechnung, die mit Juwels beginne. Denn obwohl Juqueen ein starkes Stück Technik gewesen sei – Juwels biete so viele Möglichkeiten mehr. Über 145 Millionen Euro kostet die neue Nummer eins der Supercomputer in Deutschland über die geplante Laufzeit bis 2025. Bund und Land tragen jeweils knapp 73 Millionen.

Deutschlands schnellster Supercomputer steht in Jülich

Auf Platz 23 weltweit

Die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) haben Juwels mit dem Drücken eines roten Knopfes symbolisch in Betrieb genommen. Mit einer Rechenleistung von 12 Petaflop ist Juwels doppelt so schnell wie Juqueen und die neue Nummer eins in Deutschland. Juwels ist in der Liste der schnellsten Rechner der Welt auf Platz 23 eingestiegen. Im nächsten Jahr kann sogar der Sprung in die Top 5 gelingen. „Aber darauf kommt es uns gar nicht an. Mitte der 2000er Jahre waren wir schon mal die Nummer 2, ohne es zu merken“, sagte Lippert. Karilczek sprach davon, dass Juwels helfe, „eine Infrastruktur für kluge Köpfe in diesem Land zu schaffen, die sich gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen stellen“.

Das Wettrennen um den schnellsten Rechner der Welt, in dem die USA China in diesem Jahr überholt haben, weil sie ein System geschaffen haben, das 20 mal mehr Rechenleistung hat als Juwels, sei laut Lippert nicht interessant. Die Stärke des Jülicher Systems lägen in der modularen Bauweise. 2019 soll das erste Modul aus dem Hause des europäischen Herstellers Atos, das rund 30 Millionen Euro gekostet hat, erweitert werden. Beide Module ergänzen sich dann nicht nur, Lippert rechnet mit einer Leistungssteigerung um das fünf- oder sechsfache. Aktuell würde das für Platz 5 in der Weltrangliste reichen. Aber das spielt ja laut Lippert keine Rolle. Wichtig sei die Möglichkeit, verschiedene Computerarchitekturen wie unterschiedliche Instrumente in einem Orchester zu kombinieren. Das war mit Juqueen nicht möglich.

Juwels kann kombiniert werden mit einer neuen Speicherart, bei der der Zugriff auf die Daten viel schneller funktioniert. Ein Quantencomputer-System kann eingebunden werden und ein sogenanntes neuromorphes System, also ein Rechner, der versucht, die Arbeitsweise des Gehirns zu imitieren. Die Module sollen bei Bedarf angesprochen werden. Große Klima-Phänomene werden auf den besonders leistungsstarken Modulen gerechnet. Fragen des Maschinenlernens beziehen neben dem jetzt schon laufenden Modul dann das neuromorphe System mit ein. „Juwels soll später wie ein großes Sinfonieorchester funktionieren. Der Dirigent ist die Software, die wir hier selbst über Jahre entwickeln“, erklärte Lippert.

So schnell wie 60.000 Privatcomputer

Der Vielklang soll die neue Stärke werden, mit der Europa im Supercomputer-Rennen relevant bleiben will. Jülich soll dabei eine zentrale Rolle zukommen, wenn es nach Armin Laschet geht. „Jülich ist privilegiert, um der Standort für den europäischen Exascale-Rechner zu werden“, sagte der Ministerpräsident. Exascale ist das nächste große Ding.

Die USA und China überbieten sich im Rennen zum Exaflop, der 1000 Mal so schnell ist wie der Petaflop. Die Juwels-Rechenleistung beträgt in der aktuellen Ausbaustufe 12 Petaflop, das entspricht der Leistung von 60.000 Privatcomputern.

Nicht nur die Jülicher Forscher rechnen auf Juwels. Am unabhängigen Vergabeverfahren für Rechenzeit auf dem Supercomputer können sich alle Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland beteiligen. Aktuell ist Juwels ausgebucht.