Aachen: Junge Griechen leben die europäische Idee

Aachen: Junge Griechen leben die europäische Idee

Als die „Ode an die Freude”, die Hymne der EU, zum zweiten Mal ertönt, normalisiert sich Elina Makris Herzschlag langsam wieder. Niemals, so sagt sie später, hätte sie damit gerechnet, dass gerade das griechische Medien-Projekt „Europe on the ground”, dessen Repräsentantin sie an diesem Tag ist, den Jugendkarlspreis gewinnt.

<

p class="text">

Dass es doch so ist, macht sie stolz. „Gerade wenn man bedenkt, wo Griechenland derzeit steht”, sagt sie und fügt hinzu: „Endlich gibt es auch mal gute Europa-Nachrichten aus dem krisengeschüttelten Griechenland.”

Um Nachrichten, Neuigkeiten und Erlebtes dreht sich auch das Siegerprojekt „Europe on the ground”, was übersetzt so viel wie „Europa vor Ort” heißt. Der Name ist hier Programm: Jedes Jahr werden im Rahmen dieses Projekts multikulturelle Teams von über 50 jungen Bürgerjournalisten und Amateurfotografen in zehn europäische Hauptstädte entsandt, um vor Ort hautnah zu erleben, was Multikulturalität bedeutet. Sie schreiben Artikel über die Kultur und Gesellschaft des Landes, die sie in einem Netzwerk in sechs Sprachen veröffentlichen.

Das begeistert nicht nur die Nachwuchsjournalisten, sondern auch gestandene Europapolitiker: „Persönlich gefällt mir an dem Projekt ,Europe on the ground, dass es kulturelle Vielfalt in Europa erfahrbar macht, Mehrsprachigkeit fördert und zur Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit beiträgt”, betont Martin Schulz in seiner Laudatio, der Präsident des EU-Parlamentes. „Wir brauchen mehr europäische Debatten über europäische Themen, wenn wir die europäische Demokratie stärken wollen.”

Doch die Konkurrenz für die junge Griechin und ihr Projekt war hart. Insgesamt 26 Nationen hatten ihre Projekte nach Aachen entsandt, mehr als 300 Projekte wurden vor der Verleihung gesichtet. „Obwohl ich ganz und gar hinter unserem tollen Projekt stehe, dachte ich, nachdem die Plätze zwei und drei vergeben waren, nicht mehr an einen Platz auf dem Siegerpodest”, sagt Elina Makri. „Immerhin waren diese Projekte auch richtig toll und außergewöhnlich”, sagt sie. Etwa das ungarische Projekt „Cycle me home”, dessen Repräsentant Daniel Vérten ist.

Das ungewöhnliche Projekt begann im vergangenen Jahr mit der Fahrt einiger Filmstudenten mit dem Fahrrad von Madrid nach Budapest. Diese aufregende Reise hielten sie in einem Dokumentarfilm, einem echten Road-Movie, fest. Und natürlich lernten sie auf der Tour nicht nur Länder, sondern auch Leute kennen.

Eine Art Völkerverständigung per Fahrrad also, die mit dem dritten Preis des Wettbewerbs belohnt wurde. „Für eine gute Zukunft unseres Kontinenten ist es wichtig, junge Menschen aus unterschiedlichen Mitgliedsstaaten der EU zusammenzuführen, Barrieren abzubauen und über das Zusammenwirken an gemeinsamen Projekten ein europäisches Bewusstsein zu fördern”, lobt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp in der Laudatio auf das Projekt im Audimax der RWTH.

Ein europäisches Bewusstsein fördern schon bei den jüngsten Europäern will auch das Projekt aus der Tschechischen Republik. „Europa macht Schule”, heißt es und holt am Dienstag den zweiten Preis. „,Europa macht Schule ermöglicht Studenten, in tschechischen Schulen Kinder zu treffen und das dortige Schulsystem kennenzulernen”, fasste Repräsentantin Renata Koprivová das Projekt in Worte.

Dass sich alle Preisträger nach diesem Erfolg weiterhin in Projekten der europäischen Idee widmen, steht außer Frage. „Die richtige Basis ist ja nun gelegt”, sagt Gewinnerin Elina Makri.

Auszeichnung für die Entwicklung eines europäischen Bewusstseins

Der Jugendkarlspreis wurde in diesem Jahr bereits zum fünften Mal vergeben. Er wird für Projekte junger Menschen aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten verliehen. Die Initiativen tragen zur europäischen Verständigung bei, sie fördern die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Bewusstseins und liefern zudem Beispiele für das europäische Zusammenleben.

Der Wettbewerb wird von der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen und dem Europäischen Parlament getragen und jedes Jahr in der RWTH Aachen abgehalten.

Die drei Gewinnerprojekte werden mit Geldpreisen in Höhe von 5000, 3000 und 2000 Euro prämiert. Die diesjährigen Gewinner werden das Geld in die Zukunft der Projekte investieren.


Mehr von Aachener Nachrichten