Aachen: Jugendkarlspreis: Junge Menschen setzen sich für Europa ein

Aachen : Jugendkarlspreis: Junge Menschen setzen sich für Europa ein

„Wer den Preis gewinnt, ist eigentlich nicht wichtig“, findet Hannah Starchyk. Viel wichtiger sei die Botschaft, dass es junge Leute gibt, die sich für Europa einsetzen. Die gebürtige Weißrussin, die heute in Deutschland lebt, hat die Verleihung des Jugendkarlspreises besucht. In der Aula der RWTH wurden die drei Besten der 28 europäischen Jugendinitiativen ausgezeichnet.

Gewonnen hat „Our Europe“, eine dänische Initiative, die der Jugend Europas eine Stimme gegeben hat.
Starchyk war auf Einladung der internationalen Studentenorganisation AEGEE bei der Preisverleihung. AEGEE hatte sie und sieben andere junge Journalisten auch aus Polen, Litauen, Malta und Spanien eingeladen: In Zeitungen, Radio, Fernsehen, Blogs und Sozialen Netzwerken werden sie die Eindrücke der Preisverleihung in ihren Heimatländern veröffentlichen.

Sie alle wollen Europa aktiv mitgestalten: 370 Gruppen aus 28 Mitgliedsländern der EU hatten am Wettbewerb zum Jugendkarlspreis teilgenommen. Die drei besten Projekte kommen aus Zypern, den Niederlanden und Dänemark. Foto: Harald Krömer.

Und eine solche Marketingmaßnahme scheint dringend nötig. Denn Starchyk ist aufgefallen: Wirklich bekannt ist der Jugendkarlspreis nicht einmal in Deutschland. Und dass obwohl er schon zum fünften Mal ausgelobt wurde, obwohl allein 370 Projekte in diesem Jahr eingereicht wurden und obwohl sich darin rund 40.000 junge Europäer engagierten.

Der Jugendkarlspreis wird von der Karlspreisstiftung und dem EU-Parlament ausgelobt. Der „kleine Bruder“ des Karlspreises ist für die Nominierten um einiges spannender als der Karlspreis: denn die Sieger werden erst bei der Verleihung bekanntgegeben. Und der Jugendkarlspreis ist nicht rein politisch ausgerichtet. Daher waren die teilnehmenden Jugendprojekte von internationalen Konferenzen bis hin zu Chor-Projekten sehr unterschiedlich.

Engagierte junge Bürger habe Europa bitternötig, sagte Anni Podimata, Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Vor allem in Zeiten, in denen Euroskeptiker und extremistische Stimmen lauter würden. Als bestes Projekt ehrte sie die dänische Initiative „Our Europe“: Innerhalb eines Jahres bereiste das „Our Europe“-Team 24 europäische Länder. Sie schliefen nicht im Hotel, sondern bei Einheimischen; sprachen nicht mit hohen Politikern, sondern mit anderen jungen Menschen: über deren Träume, Ängste und Probleme.

Das Ergebnis sei ein politisches und kulturelles „Kaleidoskop Europas“, sagte Podimata. Peter Laugesen nahm den Preis entgegen: In den Medien lese man häufig, dass die europäischen Jugendlichen zu einer verlorenen Generation gehörten. Aber auf ihren Reisen hätten sie etwas ganz Anderes erlebt: Trotz aller Probleme gebe es sehr viel Potenzial und Chancen innerhalb der jungen Gesellschaft.

So groß die Chancen, so groß sind die Probleme — allen voran die Jugendarbeitslosigkeit, wie einige Laudatoren, etwa Aachens OB Marcel Philipp, betonte: Man müsse in Europa stark daran arbeiten, dass die „Generation, die unsere Zukunft ist, auch eine Zukunft hat.“

Und gerade deshalb gingen der zweite und der dritte Platz an Projekte, die jungen Menschen eine berufliche Perspektive geben wollen: Die Initiative aus Zypern — der dritte Platz — hat Workshops und Seminare angeboten, um darin die Jobchancen für junge Männer und Frauen aus EU-Staaten zu verbessern. Einen eher politischen Ansatz hatten die Niederländer: JouwDelft&Co veranstaltete einen Kongress, um auf lokaler Ebene Lösungen für die Jugendarbeitslosigkeit zu finden. Die Ergebnisse wurden dem EU-Parlament als Maßnahmen vorgeschlagen.

„Die Projekte zeigen, dass junge Menschen in Europa nicht mehr warten, bis etwas für sie getan wird. Sie packen ihre Probleme selbst an“, sagte Hanna Starchyk nach der Preisverleihung. Und diese Botschaft wird die junge Journalistin nun in ihr Heimatland tragen.

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