Zuzug auf Tiefststand: Jüdische Gemeinden schrumpfen weiter

Zuzug auf Tiefststand : Jüdische Gemeinden schrumpfen weiter

Der Zuzug von Juden aus dem Ausland in die Bundesrepublik ist einer Statistik zufolge im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit dem Zerfall der Sowjetunion gesunken.

Dies geht aus einer am Donnerstag vorgelegten Erhebung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland hervor. 2018 zogen demnach lediglich 594 Juden nach Deutschland - die meisten davon, nämlich 343, kamen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Ab den 1990-er Jahren hatte der Zuzug jüdischer Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion die jüdischen Gemeinden in Deutschland stark anwachsen lassen. Am höchsten war die Zahl der aus diesen Ländern zugezogenen Juden im Jahr 1996 mit 8608.

Inzwischen sinkt die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinden beständig, 2018 zum zwölften Mal in Folge. Ende vergangenen Jahres waren in den Gemeinden 96.325 Mitglieder registriert - nach 97.791 in 2017. Der höchste Mitgliederstand wurde 2006 mit 107.794 erreicht.

Die Statistik bildet allerdings bei weitem nicht die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Juden ab, weil sich nicht jeder Jude bei einer Gemeinde registriert.

Für den Rückgang ist neben dem sinkendem Zuzug hauptsächlich aber der demografische Wandel verantwortlich: Es gab 2018 laut der Statistik deutlich mehr Todesfälle (1572), als dass durch Geburten (227) neue Mitglieder in die jüdischen Gemeinden kamen.

Die Auswanderung von Juden stagniert unterdessen trotz einer Zunahme antisemitischer Vorfälle etwa in Berlin seit Jahren auf niedrigem Niveau. 151 Juden verließen nach der Statistik im abgelaufenen Jahr Deutschland - nach 155 im Vorjahr.

Am mitgliederstärksten sind die jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen (26.277), München (9316), Berlin (9255), Baden-Württemberg (7998) und Niedersachsen (7829).

(dpa)
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