Aachen/Geilenkirchen: Jenny Bökens Eltern entsetzt über Krimi

Aachen/Geilenkirchen: Jenny Bökens Eltern entsetzt über Krimi

Die Eltern von Jenny Böken sind entsetzt. Sie gehen gegen einen jetzt erschienen Krimi juristisch vor, in dem ihrer Meinung nach das Ansehen der im September 2008 unter ungeklärten Umständen über Bord des Marineschulschiffes „Gorch Fock“ gegangenen und dann gestorbenen Kadettin herabgesetzt wird.

„Die haben ohne jedes Mitgefühl für Jenny noch einen draufgesetzt“, sagt Uwe Böken. Marlis Böken, Mutter der damals erst 18-Jährigen aus Geilenkirchen, empfindet ähnlich. Der 279-seitige Krimi „Mordsee“ ist erschienen im Gmeiner-Verlag. Es ist dem damaligen Kapitän der „Gorch Fock“, Norbert Schatz, gewidmet.

Vorne auf dem Cover segelt majestätisch die Dreimastbark, das Foto ist freigegeben vom deutschen Flottenkommando. Doch um schützenswerte Rechte der toten Marineschülerin habe sich der Verlag und der Autor, der im Norden Deutschlands lebende Reinhard Pelte, wenig gekümmert, sagen die Bökens. Das Buch sei „geschmacklos und ohne jede Empathie“ verfasst.

In Peltes fünftem Krimi ermittelt der für ungelöste Fälle zuständige Flensburger Inspektor Jung in Sachen einer Kadettin, die auf einem Segelschulschiff umkam. Schließlich stellt sich heraus, dass sie ermordet wurde. Jung ermittelt den Täter, der sich als mutmaßlicher Vater des ungeborenen Babys der Kadettin Ellen Schwarz wähnt, und Ellen über die Reling stößt.

Eltern: Biografisch identisch

Nicht dieses Ende erzürnt die Eltern von Jenny Böken. Es ist die platte biografische Übereinstimmung zwischen der als Frau nicht sehr schmeichelhaft dargestellten Ellen Schwarz mit der toten Jenny, die sie entsetzt und zu juristischen Schritten greifen lässt. In ihren Augen sind Jenny und die fiktive Ellen identische Personen.

Sie verlangen durch eine an den Verlag Gmeiner gesandte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung die Entfernung einer Vielzahl von Textstellen aus dem Buch, oder das Einziehen des Buches selbst. „Das ist Jenny, keine Frage“, stellt Böken-Anwalt Rainer Dietz (Aachen) auf Anfrage unserer Zeitung fest, und damit sei man zu weit gegangen. Mit Ellen Schwarz werde Jenny Böken dargestellt, heißt es. Und: „Die Art der Darstellung verstößt gegen deren allgemeinen Wert- und Achtungsanspruch“, ein Anspruch, der Personen über ihren Tod hinaus garantiert ist, erklärt der Anwalt.

In der Unterlassungserklärung sind zahlreiche Textstellen zitiert, die geeignet seien, das Ansehen der „echten“ Kadettin auf üble Art und Weise herabzusetzen. „Sie wird in diversen Passagen diffamiert“, sagt Dietz, „als promiskuitiv, als kompliziert, als skrupellos, als seelisch brutal, als berechnende, vulgäre und kaltherzige Person dargestellt. Und das war sie niemals.“

Der kaufmännische Leiter des Gmeiner-Verlages, Frank Liebsch, bestätigte den Eingang der Schriftsätze. „Wir sind überrascht. Unser Anwalt prüft die Sache“, erklärte Liebsch. Als Frist ist der heutige Freitag, 12. Juli, gesetzt. Falls sich der Verlag nicht fügen sollte, droht Anwalt Dietz den Gang zum Aachener Landgericht an. Dort wolle man eine Einstweilige Verfügung erwirken.

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