Integrationsklima in NRW: Jeder vierte Türkischstämmige fühlt sich diskriminiert

Integrationsklima in NRW: Jeder vierte Türkischstämmige fühlt sich diskriminiert

Das Integrationsklima in Nordrhein-Westfalen wird von Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund überwiegend positiv eingeschätzt. Allerdings zeigen sich in der Gruppe der Türkeistämmigen deutliche Probleme: Jeder vierte - deutlich mehr als in jeder anderen Herkunftsgruppe - fühlt sich diskriminiert.

Das hat eine Sonderauswertung des „Integrationsbarometers 2018“ ergeben, die der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) für die Landesregierung erstellt hat. Der Vorsitzende und Migrationsforscher Prof. Thomas Bauer stellte am Mittwoch in Düsseldorf wesentliche Ergebnisse der Befragungen vor.

Integrationsklima: Knapp 45 Prozent der insgesamt 1050 Befragten mit Migrationshintergrund in NRW meinen, dass das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft in NRW besser funktioniert als im übrigen Deutschland. Nur 13 Prozent bewerten es als schlechter. Auf einer Skala von Null (sehr negativ) bis 100 (sehr positiv) pendelt sich der Wert für das Integrationsklima bei Befragten ohne ausländische Wurzeln bei 67,9 ein. Bauer stuft dies als signifikant besser ein als den Bundeswert (62,7). Bei den Befragten mit Migrationshintergrund fällt der Wert mit 67,5 in NRW dagegen etwas schlechter aus als im Bund. 85 Prozent der Befragten mit ausländischen Wurzeln in NRW fühlen sich diesem Bundesland zugehörig.

Sprache: „Sprache ist der Schlüssel zu praktisch allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“, hält die Studie fest. Auch hier zeigt sich tendenziell ein Nachteil in der Gruppe der Türkeistämmigen: Knapp 86 Prozent der Befragten türkischer Herkunft bewertet die eigenen Sprachkenntnisse als gut oder sehr gut. Bei den übrigen sind es rund 88 Prozent, bei EU- und Spät-Aussiedlern sogar deutlich über 90 Prozent.

Schule: Eine bemerkenswerte Veränderung zeigt sich bei der Schulwahl. Von deutschen Familien ist seit langem bekannt, dass sie oft weite Wege und hohe Kosten an Privatschulen in Kauf nehmen, um ihre Kinder nicht an Brennpunktschulen unterrichten zu lassen. Inzwischen hat sich aber auch in Familien mit ausländischen Wurzeln die Überzeugung verankert, dass es besser wäre, ihre Kinder nicht an einer Schule mit hohem Migrantenanteil anzumelden. Fast jeder zweite Befragte sagte, er würde dies „eher nicht“ oder „auf keinen Fall“ tun. 2015 sagte das erst gut ein Drittel.

Kontakte: Persönliche Kontakte sind das A und O für ein gutes Zusammenleben und gegen Vorurteile. Die meisten Migranten verfügen über häufige Kontakte zu angestammten Deutschen. Die wenigsten Kontakte zur Mehrheitsbevölkerung haben wiederum Türkeistämmige: Knapp die Hälfte der Befragten aus dieser Gruppe hat solche Beziehungen im Freundes- und Bekanntenkreis nur selten.

Statistik: Nach Zahlen des Statistischen Landesamts haben in NRW 5,1 Millionen Menschen - fast 29 Prozent aller Einwohner - eine Migrationsgeschichte. Den höchsten Anteil habe mit 40 Prozent der Bevölkerung Wuppertal, den niedrigsten der Kreis Höxter mit 14 Prozent, sagte Integrationsstaatssekretärin Serap Güler.

Ausblick: NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) möchte die Erkenntnisse aus der erstmals auf NRW heruntergebrochenen Sonderauswertung nutzen, um eine „Integrationsstrategie 2030“ zu entwickeln. Eckpunkte sollen im Sommer vorgelegt werden. Außerdem sollen Vorbilder aus allen Bereichen der Gesellschaft mit der Kampagne „#IchDuWirNRW“ weiter für Integration, Mut zum beruflichen Aufstieg und Einbürgerung werben.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten