Neues Terminvergabesystem: Jeder siebte Patient versetzt seinen Arzt

Neues Terminvergabesystem : Jeder siebte Patient versetzt seinen Arzt

Seit 2016 können sich gesetzlich Krankenversicherte, die lange auf einen Termin beim Facharzt warten müssen, an die Terminservice-Stellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden. So schreibt es der Gesetzgeber vor. Und tatsächlich steigt die Nachfrage der Patienten.

2017 vermittelte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) gut 15.000 Termine, im ersten Halbjahr 2018 waren es schon rund 10.000 Termine, wie KV-Chef Frank Bergmann unserer Zeitung sagte. Das sei im Vergleich zu 70 Millionen Behandlungsfällen in Nordrhein pro Jahr zwar überschaubar, aber: „Ein großes Problem ist, dass 15 Prozent der Patienten ihre vermittelten Termine nicht wahrnehmen.“

Zudem würden immer mehr Patienten bei Beschwerden gleich mehrere Fachärzte konsultieren, weil sie etwa durch Informationen im Internet verunsichert seien und Sorge vor einer schweren Erkrankung hätten, berichtet der oberste Kassenarzt. „Manche Patienten lassen sich vom Orthopäden, Augenarzt und Neurologen durchchecken, obwohl sie nur einen harmlosen Spannungs-Kopfschmerz haben.“

Terminservice-Stellen versuchen, Patienten innerhalb einer Woche einen Termin bei einem benötigten Facharzt zu vermitteln. Anspruch auf einen Arzt oder Termin ihrer Wahl haben Patienten nicht. In medizinisch dringenden Fällen darf die Wartezeit maximal vier Wochen betragen, bei Routineuntersuchungen länger.

Sollte die Servicestelle keinen Termin bei einem Facharzt anbieten können, vermittelt sie ihm einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus. Das soll den Druck auf niedergelassene Ärzte erhöhen. Um die Terminservicestelle nutzen zu können, brauchen Patienten eine Überweisung zum Facharzt — es sei denn, sie wollen zum Augen- oder Frauenarzt.

Nun will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Terminservice-Stellen ausbauen. Künftig sollen sich Kassenpatienten auch an sie wenden können, wenn sie Probleme mit dem Haus- oder Kinderarzt haben. Zudem will Spahn die Mindestsprechzeiten erhöhen und eine offene Sprechstunde für Notfall-Patienten ohne Termin verpflichtend einführen. Die Neuregelung soll ab April 2019 gelten.

Eine Ausweitung auf Haus- und Kinderärzte lehnt KV-Chef Bergmann ab: „Die geplante Ausweitung geht am Problem vorbei und schafft nur neue Bürokratie.“ Schon jetzt beschäftigt die KV Nordrhein acht Mitarbeiter mit der Terminvermittlung. Vor allem aber sieht Bergmann keinen Bedarf: „Bei den Hausärzten gibt es kein Wartezeiten-Problem.“

Laut einer im August veröffentlichte Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung behandeln Hausärzte Kassen- und Privatpatienten bei der Terminvergabe meist gleich.