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Durchgeschüttelt, aber froh: Jecken feiern trotz Sturm bei Rosenmontagszügen

Durchgeschüttelt, aber froh : Jecken feiern trotz Sturm bei Rosenmontagszügen

„AKK“ wackelt zwar ein bisschen im Wind, aber sie darf als Pappfigur mitfahren – genau wie Trump, Merkel und Nahles: Erst kurz vor Beginn des Kölner Rosenmontagszugs gibt das Festkomitee grünes Licht für den Start der Motivwagen.

Wegen des stürmischen Wetters hatte zuvor ein Krisenstab getagt, dann steht fest: Es kann losgehen. „Ich bin jetzt froh und erleichtert“, sagt Zugleiter Alexander Dieper. In Düsseldorf startete der „Zoch“ gut anderthalb Stunden später als geplant. Da war der Sturm schon vorbei – und es schien sogar zeitweise ein wenig die Sonne.

Sowohl für den Düsseldorfer als auch den Kölner Rosenmontagszug waren Einschränkungen beschlossen worden. So durften in Köln Pferde, Kutschen und große Fahnen nicht dabei sein. „Das ist schon ärgerlich, wir hatten uns ja lange auf den Rosenmontagszug vorbereitet“, sagt Jörg Herrmann vom Reitercorps der Kölner Karnevalsgesellschaft Große Greesberger. Nun sitzt der 79-Jährige auf einem Karussellpferdchen mit Rollen. „Ich erlebe es jetzt zum dritten Mal in 35 Jahren, dass die Pferde nicht mitdürfen. Aber die Sicherheit geht eben vor.“

Bei den Mottowagen hat Düsseldorf in Sachen Bissigkeit wie gewohnt die Nase vorn. So hält NS-Propagandaminister Joseph Goebbels den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke als Baby in einer Windel in die Höhe. Böse grinsend zerren Autoindustrie und Bundesregierung einen Autofahrer mit einem Galgen aus seinem Diesel-Auto. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zieht der „Eltern-Generation“ die Ohren lang. Auch US-Präsident Donald Trump kriegt von Wagenbauer Jacques Tilly sein Fett weg: Als nackter „Schmutzengel“ schützt Trump den saudischen Prinzen Mohammed bin Salman.

In Köln spielt Trump Golf – und schlägt das Pariser Klimaabkommen und den Iran-Deal als Bälle durch die Luft. Auf dem sinkenden Schiff der SPD stehen Fraktionschefin Andrea Nahles und Finanzminister Olaf Scholz in Titanic-Manier. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schreddert sich unterdessen wie ein Bild des Künstlers Banksy. Ein Clownfisch japst mit heraushängender Zunge und verdrehten Augen in einem Meer aus Plastikmüll.

Zwischenzeitlich müssen die Jecken in Köln teils heftige Regenschauer über sich ergehen lassen. Doch das ungemütliche Wetter hält Hunderttausende Zuschauer entlang des Zugwegs nicht vom Feiern ab. Ausgerüstet mit Regenponchos schunkeln sie unverdrossen – und gehen auf „Kamelle“-Jagd. Immerhin wollten allein die Kölner Karnevalisten nach Angaben des Festkomitees rund 300 Tonnen Süßigkeiten schmeißen, darunter 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Pralinenschachteln.

Journalistin Anne Will ist im Werfen geübt, fährt sie doch schon zum zweiten Mal auf einem Wagen im Kölner Rosenmontagszug mit. „Pralinenschachteln - da macht mir kaum jemand was vor“, sagt die 52-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Astronaut Alexander Gerst dagegen ist Neuling auf dem Gebiet und war sich bei der Frage nach der besten Wurftechnik zunächst noch unsicher: „Ich glaube, ich muss alle mal durchprobieren. Wir haben ja ein paar Profis oben auf dem Wagen. Ich bin sicher, ich bin ein guter Schüler.“