Jahreswechsel in NRW: Bilanz der Polizei

Die Bilanz der Silvesternacht : Weniger Einsätze, aber mehr Aggression

Böller, Brände und Randale: Auch wenn die meisten Menschen in NRW relativ friedlich ins neue Jahr gingen, gab es für Feuerwehr und Polizei in der Silvesternacht viel zu tun. In Stolberg etwa wurden fünf Menschen bei einem Brand verletzt, in Düren flogen Fäuste.

Die Polizei in der Städteregion Aachen musste in der Silvesternacht zu 164 Einsätzen ausrücken – deutlich weniger als im Vorjahr, wo es 197 Fälle gab. Meist ging es um Schlägereien, Randale, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Streitereien. Insgesamt nahm die Polizei neun Personen in Gewahrsam, 17 Menschen wurden verletzt. Die Turmstraße musste zeitweise für den Verkehr gesperrt werden – Massen von abgebranntem Feuerwerk machten die Straße unpassierbar.

Traurig endete ein Brand in einem Reiheneckhaus in Alsdorf. die dort lebende Familie war nicht zu Hause, als um 0.28 Uhr dort ein Feuer ausbrach. Als die Feuerwehr eintraf, brannte das gesamte Erdgeschoss, eine Scheibe platzte durch die Hitze. Der Familienvater versuchte, den Hund und die Katze der Bewohner aus dem brennenden Gebäude zu retten, doch ohne Erfolg. Die Tiere wurden tot in den Räumen gefunden. Der Mann kam mit einer schwere Rauchgasvergiftung in Krankenhaus.

In Stolberg brannte es in einem Achtfamilienhaus im Stadtteil Atsch. Fünf Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen, darunter ein Kind. Das Feuer war auf einer Silvesterparty im Dachgeschoss ausgebrochen. Der Gastgeber kam in Polizeigewahrsam, weil er sich Anweisungen der Ordnungskräfte widersetzt hatte.

Die Polizei im Kreis Düren zog eine positive Bilanz – sie musste 22 Mal ausrücken, neunmal weniger als im Vorjahr. Häufigste Ursache waren Beschwerden von Bürgern wegen Ruhestörungen oder Pyrotechnik. Die Feuerwehr löschte vier Brände, die durch Feuerwerkskörper verursachten worden waren.

In Jülich beschäftigte sich die Polizei im Stadtgebiet vornehmlich mit Ruhestörungen.

Im Bereich Düren-Nord hatten die Einsatzkräfte der Polizei mit einer größere Schlägerei zu tun. Vier Männer aus Düren und ein Kreuzauer verletzten sich dabei. Einer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Vier Personen mussten die Nacht im Polizeigewahrsam verbringen – ein Jahr zuvor waren es zwei.

Im Kreis Heinsberg waren 43 Einsätze mit Silvesterbezug zu verzeichnen. Meist ging es um Streitereien, Ruhestörungen oder auch einfache Körperverletzungen – aber „nichts Außergewöhnliches“, wie die Polizei mitteilte. Verletzungen oder Brände durch Feuerwerkskörper wurden nicht verzeichnet.

In der niederländischen Provinz Limburg wurden 19 Personen festgenommen. Darunter waren drei Männer im Ort Heel, die im Verdacht stehen, in eine Messerstecherei verwickelt gewesen zu sein. Dabei war ein Mann verletzt worden. Insgesamt musste die Polizei 250 Einsätze bewältigen, etwas weniger als im Vorjahr.

Mehr Polizisten verletzt als im Vorjahr

Insgesamt blieb die Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen nach einer vorläufigen Polizeibilanz ruhiger als im Vorjahr. Das Konzept der Polizei mit sichtbarer Präsenz vor Ort sei aufgegangen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Mit 5500 Beamten waren landesweit doppelt so viele Kräfte wie an normalen Wochenenden im Einsatz. Besonders in Düsseldorf und Köln hatten die Einsatzkräfte die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren.

Im Kölner Stadtteil Meschenich mussten Polizisten allerdings eine Massenprügelei schlichten. Dort waren zwei größere Gruppen aus zumeist jungen Männern aneinandergeraten. Sie hatten auf verschiedenen Silvesterpartys gefeiert. Die Beamten setzten gegen die aggressiven Schläger Diensthunde sowie Pfefferspray ein. Als Streitende auch Polizisten angriffen, wurde Verstärkung angefordert. Drei junge Männer kamen in Gewahrsam.

Landesweit sank die Zahl der Einsätze zwar von rund 4300 im Vorjahr auf jetzt 3500, es wurden aber mehr Polizisten verletzt, wie das Landesamt für polizeiliche Dienste mitteilte. Die Zahl stieg von 25 im vergangenen Jahr auf 38. Auch insgesamt stieg die Zahl der Verletzten.

So wurden in Essen zwei Männer lebensgefährlich verletzt, als sie selbstgebastelte Feuerwerkskörper zündeten. Die 31 und 33 Jahre alten Männer hatten die Feuerwerkskörper in mehreren Koffern auf einen Schulhof transportiert. Die Lage nach dem Unfall war nach Einschätzung der Polizei so brisant, dass sie Entschärfer des Landeskriminalamtes anforderte, um das Material unschädlich zu machen.

Glimpflich verlief für Polizisten in Dortmund eine Attacke von Feiernden mit Raketen-Beschuss. Aus der Gruppe heraus soll ein Mann eine Rakete auf Beamte abgeschossen haben. Die überstanden die Attacke unverletzt. Der Mann, der die Rakete abgefeuert haben soll, wurde in Gewahrsam genommen.

Eine offensichtlich verirrte Silvesterrakete in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) ist in die sechste Etage eines Mehrfamilienhauses eingeschlagen und hat die Küche einer Wohnung in Brand gesetzt. Der 34 Jahre alte Bewohner hatte noch das Klirren des Balkonfensters gehört und sich in Sicherheit gebracht. Das Feuer griff auf die ganze Wohnung über. Der Mann und fünf weitere Bewohner in dem zehnstöckigen Haus wurden mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung in Krankenhäusern behandelt.

Diese Dramatik blieb einer Familie in Mönchengladbach durch die Aufmerksamkeit der kleinen Tochter erspart. Das fünfjährige Mädchen hatte kurz nach Mitternacht ein knisterndes Geräusch im Haus bemerkt und machte den Vater aufmerksam. Der schaute daraufhin auf dem Dachboden nach und entdeckte ein Feuer, das nach Polizeiangaben möglicherweise durch Böller oder Raketen ausgelöst wurde. Nur wenige Minuten später wäre das Feuer nach Einschätzung der Feuerwehr auf den Dachboden übergangen. Die „Rheinische Post“ hatte zuvor berichtet. Dass sich mehr passierte, sei einzig dem aufmerksamen Mädchen zu verdanken, lobte die Feuerwehr das Kind.

(dpa)
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