Ditib erneut in der Kritik: Islamkonferenz mit Muslimbrüdern in Köln

Ditib erneut in der Kritik : Islamkonferenz mit Muslimbrüdern in Köln

Die umstrittene Islam-Organisation Ditib ist wegen angeblicher Kontakte zur islamistischen Muslimbruderschaft (MB) in die Kritik geraten. An einer dreitägigen Islamkonferenz in der Kölner Ditib-Zentralmoschee hätten auch „führende Vertreter MB-naher Organisationen“ teilgenommen, meldete der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Aus dem NRW-Innenministerium hieß es dazu auf Anfrage am Montag, die Türkei unterstütze die vom Verfassungsschutz in Bund und Land beobachtete Muslimbruderschaft. Angesichts des „Abhängigkeitsverhältnisses“ der Ditib von Ankara „gehen wir davon aus, dass es keine Berührungsängste der Ditib gegenüber der Muslimbruderschaft gibt“, sagte eine Sprecherin in Düsseldorf.

Die Ditib gilt als von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuert und steht wegen ihrer Nähe zu Ankara unter Druck. Ein Ditib-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei grundsätzlich wichtig, mit allen „gesellschaftlich relevanten Gruppen im Austausch“ zu bleiben. Laut „Stadt-Anzeiger“ waren auch zwei - namentlich genannte - Teilnehmer nach Köln gekommen, „die den Muslimbrüdern und damit radikalen Islamisten zugerechnet werden.“

Die Ministeriumssprecherin sagte, der NRW-Verfassungsschutz ordne die beiden Personen tatsächlich der MB zu. Der Ditib-Sprecher betonte, bei einem „innerislamischen Dialog“ mit rund 100 Teilnehmern aus 17 europäischen Ländern solle man die Anwesenheit zweier MB-Vertreter „in Verhältnismäßigkeit“ sehen.

Eine Ditib-Sprecherin ergänzte: „Ein glaubwürdiger und ehrlicher Austausch kann sich seine Gesprächspartner nicht nach Gutdünken aussuchen, sondern muss die gesellschaftliche Relevanz seiner Ansprechpartner berücksichtigen und respektieren.“ Neben namhaften muslimischen Wissenschaftlern seien auch „Vertreter von konservativeren bis hin zu moderneren Auslegungen des Islam“ vertreten gewesen.

Eine Abschlusserklärung - auf der Ditib-Homepage eingestellt - beklagt eine zunehmende Islamfeindlichkeit und Diskriminierung von Muslimen. Beschlossen wurde die Gründung einer Stelle bei der Diyanet, um künftig alle zwei Jahre ein solches Treffen der europäischen Mulsime einzurichten. Vor gut drei Monaten hatte die Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auch Empörung ausgelöst. Politiker und Kritiker fordern eine Loslösung von Ankara.

(dpa)
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