Interview - Andreas Bourani kommt zu „Bühne unter Sternen“ in Nideggen

Die Saison auf der „Bühne unter Sternen“ in Nideggen : „Ich liebe es, auf die Bühne gehen zu können“

Mit Andreas Bourani kommt ein Glücksbringer der Unterhaltungsbranche ins Freilicht-Areal der Burg Nideggen. Mit unserer Redaktion sprach er über Erfolgsdruck, die Erwartungshaltung der Branche und sein neues Album, das Ende des Jahres erscheinen soll.

Mit Andreas Bourani kommt ein Glücksbringer der Unterhaltungsbranche ins Freilicht-Areal der Burg Nideggen. Vor fünf Jahren gelang dem inzwischen 35-Jährigen mit seinem Album „Hey“ und dem Hit „Auf uns“ ein Überraschungs-Coup: Nummer-1-Platzierungen aller Orten und die Hymne zur Fußball-WM 2014. Dass er seine Karriere seither eher ungewöhnlich gemächlich angeht, ist seiner Freude am Musikmachen geschuldet. Die will er in diesem Jahr mit einem neuen Album unterstreichen. Vorher brauchte es allerdings die Rückkehr zu sich selbst, wie Bourani im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Michael Loesl erzählt.

Herr Bourani, Ihr Hit „Auf uns“ hat inzwischen fünf Jahre auf dem Buckel. Kosten Sie Ihren Erfolg seither aus oder hat er Sie so überrollt, dass Sie mitten in der berühmten Kreativblockade stecken?

Andreas Bourani: Nein, mir geht es fantastisch. Ich bin in den letzten Jahren viel gereist, war zum ersten Mal in Amerika, aber auch in Vietnam, Thailand und Kambodscha. In Europa habe ich mir etliche Städte angeschaut.

Sie haben Ihr Geld also nicht in eine Yacht, sondern in Freiheit investiert?

Bourani: Ich bin versucht, nicht viele Dinge zu besitzen, weil die vor allem verpflichten. Bevor ich erfolgreich war, bin ich kaum verreist. Ich konnte es mir schlicht nicht leisten. Amerika zu besuchen, wäre für meinen Geldbeutel viel zu teuer gewesen. Jetzt genieße ich das Erkunden der Welt, der verschiedenen Kulturen, der Menschen, denen ich gerne begegnen möchte. Dabei habe ich auch eine Menge über mich selbst gelernt.

Demut?

Bourani: In Mengen! Wenn ich mir vor Augen halte, wie viele Menschen hier in Deutschland Parteien folgen, die mit Angst und Hass auf Stimmenfang gehen, kann ich nur angewidert den Kopf schütteln. Diese Leute wissen scheinbar nicht, in welch privilegierten Verhältnissen man hier aufwächst. Es gibt ganz viele Gegenden auf der Erde, in denen es kein fließendes Wasser, kein Bildungssystem und auch keine funktionierende Gesundheitsversorgung gibt. Die Demut vor dem Leben steigt, wenn man erkennt, dass vieles, was wir hier als Selbstverständlichkeit annehmen, gar nicht selbstverständlich ist.

Betrachten Sie Ihren Erfolg auch so?

Bourani: Wir sind ja immer damit beschäftigt, unseren Wohlstand mindestens zu behalten, wenn nicht sogar zu steigern. Nachdem mein letztes Album explodiert war, kamen auch mir Gedanken, jedes Jahr eine neue Platte herauszubringen. Ich habe dann aber relativ schnell hinterfragt, warum ich so dachte. Am Ende der Überlegungen beschloss ich, meinem Impuls zu folgen, vor allem in Freiheit kreativ sein zu wollen. Wenn ich musikalisch etwas zu sagen habe, werde ich es sagen. Aber ich möchte keine neue Musik aufnehmen, um den sozialen Status beibehalten zu können, den mir mein letztes Album beschert hat. Es gibt Dinge im Leben, die man viel besser beeinflussen kann, als Erfolg zu haben. Freundschaften zu pflegen, beispielsweise.

Dann arbeiten Sie aber mit einer überaus freundlichen Plattenfirma zusammen. Wird von einem Glücksbringer wie Ihnen normaler-
weise nicht unbedingter Erfolgsgehorsam erwartet?

Bourani: Der Mann, der bei meiner Plattenfirma direkt mit mir redet, schickt mir tatsächlich beinahe jede Woche eine Einladung zum Essen. Ich bilde mir dann gerne ein, dass er mich einlädt, weil er mich als Person schätzt und nur Zeit mit mir verbringen will. Ungeachtet eines neuen Albums von mir, auf das scheinbar alle warten.

Haben Sie das Gefühl, wieder als Stimmungskanone mit einem weiteren Party-Schlachtross aufwarten zu müssen, wenn das nächste Bourani-Album erscheint?

Bourani: Es gibt sicher Leute, die das von mir erwarten, aber ich habe überhaupt keine Lust darauf, irgendwelche Rollen erfüllen zu müssen. Ich kann, wie gesagt, vom Erfolgsgedanken gut loslassen. Bevor ich in der Musikszene aufgetaucht war, hatte ja auch niemand auf eine Platte von mir gewartet. Es schmeichelt meinem Künstlerego auch ungemein, wenn mir Menschen erzählen, dass meine Musik ihnen Kraft gegeben hat. Aber im Endeffekt ist es mir wichtig, nach vorne zu schauen, meine Kreativität auszuleben und mich zu verwirklichen. Dazu brauchte ich Abstand von dem großen Erfolg, den ich hatte. Auch, um meinem Anspruch gerecht werden zu können, den ich an mich selbst stelle.

Das erfordert viel Selbstvertrauen.

Bourani: Ja, aber das besaß ich schon, bevor eine dreiviertel Million Menschen mein letztes Album kauften. Ich hatte die Schule abgebrochen, um künstlerisch tätig sein zu können. Damals wusste ich, dass ich unbedingt Musik machen wollte. Mit dem Folgen dieses Impulses wuchs parallel mein Selbstvertrauen. Das Beibehalten der Freude am Musikmachen ist mir wichtiger als das kurzzeitige Festhalten am Erfolg.

Aber ist man nicht gerade in der Popularitätsbranche immer nur so gut wie sein letzter Hit?

Bourani:: Von dem Gedanken habe ich mich zum Glück emanzipieren können. Das war, wohlgemerkt, eine Herausforderung. Und das ist, nebenbei bemerkt, eine viel größere Aufgabe, als rasch irgendeine neue Platte rauszuhauen. Ich glaube, der Esprit bleibt auf der Strecke, wenn man dem Regelwerk der Plattenbranche folgt.

Dann lüften Sie doch jetzt mal das Geheimnis: Werden Sie die Menschheit noch 2019 mit einer neuen Platte beglücken?

Bourani: Ja. Ich befinde mich schon seit geraumer Zeit wieder im Aufnahmestudio. Die Freude am Musikmachen ist da und es macht Spaß, Ideen reifen zu lassen. Es gibt noch keinen festen Termin, aber Ende des Jahres sollte das Album in den Läden stehen.

Überträgt sich Ihre gelassene Haltung auf die Bühne? Vielen Ihrer Kollegen wird trotz langer Erfahrung immer noch schlecht, wenn sie eine Bühne betreten sollen.

Bourani: Ich liebe es, auf die Bühne gehen zu können. Da ist kein Funken mehr von Aufregung zu spüren. Zum Beginn meiner Karriere hatte auch ich mit Lampenfieber zu kämpfen. Aber nach zig Auftritten hat sich die Nervosität bei mir in Glücksgefühle verwandelt. Ich kann es kaum erwarten, auf die Bühne zu gehen. Deswegen möchte ich jetzt im Sommer unbedingt ein paar Konzerte spielen. Die Dialoge mit dem Publikum bedeuten mir viel. Und natürlich macht es auch Spaß, an Orten aufzutreten, die wir bislang noch nicht bespielt haben. Konzerte an der Burg Nideggen scheinen von besonderer Atmosphäre geprägt zu sein, wie ich mir sagen ließ. Umso gespannter bin ich darauf, dort mit meiner Band spielen zu können.

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