Trotz heftiger Debatten : Intendantin sieht Ruhrtriennale als Erfolg

Trotz heftiger Debatten : Intendantin sieht Ruhrtriennale als Erfolg

Wenige Wochen nach dem Eklat um die Einladung einer israelkritischen Band zur Ruhrtriennale verurteilt der nordrhein-westfälische Landtag fraktionsübergreifend die antiisraelische BDS-Kampagne.

Trotz der Debatte um eine israelkritische Pop-Band sieht die Ruhrtriennale-Intendantin ihre erste Festivalsaison als großen Erfolg. Ein künstlerisch schönes und erfolgreiches Festival gehe zu Ende, sagte Stefanie Carp am Mittwoch in Bochum kurz vor Abschluss des internationalen Kulturfestivals.

Insgesamt besuchten 2018 mehr als 60.000 Menschen das sechswöchige Festival mit seinen großen Musiktheater-Produktionen, Konzerten, Installationen und Diskussionsformaten. Bei der Ruhrtriennale verwandeln sich Sommer für Sommer ehemalige Industriehallen im Ruhrgebiet zu Spielstätten für aufwendige Inszenierungen, Konzerte und avantgardistische Kunstprojekte.

Bis kurz vor Festivalabschluss am Sonntag wurden 27.000 Tickets ausgegeben. Das entspreche einer Auslastung von etwa 80 Prozent. Die kostenlos zugänglichen Installationen und Veranstaltungen zogen insgesamt 35.000 Besucher zusätzlich an. Zu den viel beachteten Produktionen zählten etwa Christoph Marthalers „Universe, incomplete“, die Eröffnungsproduktion „The Head and the Load“ von William Kentridge sowie Mariano Pensottis „Diamante“.

Unter den mehr als 30 Produktionen sei keine gewesen, die ästhetisch kalt geblieben sei, bilanzierte Carp. Alle hätten Leidenschaft und Haltung gezeigt. Unter dem Leitmotiv „Zwischenzeiten“ hatte das Programm Schwerpunkte bei den Themen Flucht, Vertreibung und Migration gesetzt. Auch 2019 soll unter diesem Fokus wieder ein politisches Programm entstehen, kündigte Carp an.

Band steht BDS-Bewegung nahe

Vor dem Start der ersten Spielzeit unter Carps Leitung hatte ihr Umgang mit der schottischen Band „Young Fathers“ für Irritationen und schließlich sogar für das Fernbleiben des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) gesorgt. Die Band steht der BDS-Bewegung nahe, die für einen Boykott Israels eintritt. Carp hatte die Musiker erst ein-, dann aus- und unter Verweis auf die Kunstfreiheit wieder eingeladen. Die Gruppe sagte dann selbst ab.

Anstelle des „Young Fathers“-Konzertes fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Freiheit der Künste“ statt. „Absolut notwendig“, wie Carp am Mittwoch sagte. Man könne stolz darauf sein, dass bei der vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert moderierten Veranstaltung durchaus konstruktiv zu dem Thema diskutiert worden sei. Anlass, ihre eigene Arbeit für die Ruhrtriennale in Zukunft in Frage zu stellen, sieht sie auf Nachfrage nicht.

Die politische Debatte zu dem Vorgang ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Am Donnerstag will der NRW-Landtag fraktionsübergreifend eine Resolution verabschieden, die die BDS-Bewegung als „klar antisemitisch“ verurteilt. Das Land NRW ist Mitbegründer und wichtigster Geldgeber des prestigeträchtigen Festivals mit seinem Jahresetat von rund 15 Millionen Euro.

(dpa)
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