Aachen: Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Aachen : Instagram: Bilder und Hashtags, die das Leben bestimmen

Katzen, Essen, Reisen, Hochzeit, Outfits: Knapp 15 Millionen Deutsche sind auf dem Sozialen Netzwerk Instagram angemeldet. Die Foto-App, die zu Facebook gehört, wächst weltweit rasant an. Täglich posten Millionen Menschen ihre Bilder auf der Plattform, täglich scrollen sie sich durch eine endlose Zahl von Fotos, liken, kommentieren, und folgen.

Es ist eine positive Welt, die ihnen gezeigt wird - Hasskommentare gibt es wenige, Trolle tummeln sich hier noch nicht in dem Maße wie Facebook. Aber wie heil ist die Welt der Blogger wirklich, die wir auf Instagram erleben? Wie viel ist echt, wie viel für die Kamera gestellt? Und welche Gefahren birgt das Medium für diejenigen, die ohnehin anfällig dafür sind, auf falsche Vorbilder und vermeintlich perfekte Leben hereinzufallen?

Instagram als Hilfsmittel gegen Essstörungen

Es ist ein Mittwoch, als sich Alexandra S. von den Bildern ihres alten Lebens verabschiedet. Von den dürren Armen. Den eingefallenen Augen. Den deutlich hervortretenden Wangenknochen. Und allen voran den Hashtags, die sie als die Person markieren, die sie nicht mehr sein will, zumindest nicht mehr ausschließlich: als „ed-warrior“ (eating disorder, englisch für Essstörung), als eine Kämpferin gegen die Magersucht. „Ich bin nicht nur ein Mädchen, das Anorexie überlebt hat. Ich bin mehr. Das Leben ist mehr“, schreibt die 21-jährige Aachenerin an jenem Mittwoch im April 2017 auf der Online-Plattform Instagram. Ein Befreiungsschlag. Denn fast ein Jahrzehnt lang haben Bilder Alexandras Leben bestimmt. Erst war es das verzerrte Selbstbild ihres Körpers. Dann waren es die Fotos, mit denen sie akribisch ihren Genesungsprozess dokumentierte. Online auf ihrem öffentlichen Profil und für jeden zugänglich, der nach der entsprechenden Verlinkung sucht.

Seit 2010 teilen Nutzer bei Instagram Bilder oder auch kurze Videos, entweder öffentlich für alle sichtbar oder auch privat nur mit den „Freunden“, mit denen sie sich verlinkt haben. Die Anzahl der Nutzer ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Mittlerweile sind rund 800 Millionen Menschen im Monat auf der kostenlosen Online-Plattform aktiv, davon überwiegend Frauen. Tendenz steigend. Ein Schnappschuss aus dem Italienurlaub. Ein Bild vom Mittagessen. Das Beweisfoto sportlicher Ertüchtigung aus dem Fitnessstudio. Mit dem entsprechenden Hashtag — eine Art digitales Schlagwort — versehen werden Fotos wie diese tausendfach miteinander verknüpft.

So ist auch Alexandra zu ihren knapp 1500 Abonnenten gekommen. Der Großteil der rund 390 Bilder, die sie in den vergangenen drei Jahren gepostet hat, sind mit Schlagworten wie #food, #anorexia (Magersucht) und #strongnotskinny (stark, nicht dürr) versehen. Und immer wieder: #recovery — Genesung. Alexandra schätzt, dass 80 Prozent ihrer Follower ihrem Profil wegen einem dieser Hashtags folgen.

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Seite 5: Gespräch mit einer Cyberpsychologin

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