Düsseldorf: Innenminister zieht Notbremse gegen Rockergruppe „Osmanen Germania“

Düsseldorf : Innenminister zieht Notbremse gegen Rockergruppe „Osmanen Germania“

Ihre Kutten sehen denen der „Hells Angels“ auffällig ähnlich. Im Internet posiert die Rockergruppe „Osmanen Germania BC“ martialisch, muskelbepackt und schwer bewaffnet. Sie präsentiert sich als türkische Antwort auf die „Hells Angels“. Nur mit dem Motorradfahren hat man es nicht so: Offiziell gibt man sich als Boxclub aus.

So schnell wie der Club wuchs, so schnell wuchs auch die Zahl der Straftaten, die auf das Konto seiner Mitglieder gehen sollen. Am Dienstag zog Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Notbremse und sprach ein bundesweites Verbot der Rockergruppe aus. „Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten“, sagte Seehofer. Von dem Rockerclub gehe eine Gefahr für die Allgemeinheit aus.

Der Verein behauptete, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich sei er durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe aufgefallen, so die Bundesregierung. Mit Razzien in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen wurde das Verbot am Dienstag durchgesetzt und Vereinsvermögen beschlagnahmt. In Nordrhein-Westfalen, einer Hochburg der Osmanen-Rocker, wurden lediglich Verbotsverfügungen und Sicherstellungsbeschlüsse überreicht.

Erneute Durchsuchungen habe es nach einer großen Razzia im März am Dienstag in NRW nicht gegeben. Insgesamt hat der Verein im gesamten Bundesgebiet 16 Ortsgruppen, sogenannte Chapter, davon sieben in Nordrhein-Westfalen.

300 Mitglieder bundesweit

2014 oder spätestens 2015 wurde der „Osmanen Germania BC“ in Hessen gegründet und galt zeitweise als am schnellsten wachsende Rockergang in Deutschland. Zuletzt wurden mindestens 300 Osmanen-Rockern bundesweit gezählt. „Osmanen Germania“ nimmt im Namen Bezug auf eine einstige Dynastie, benannt nach dem türkischen Fürsten Osman, der um 1300 in Anatolien herrschte.

Bereits im März war die Polizei gegen die Rockergruppe massiv vorgegangen. Damals waren in NRW mehr als 40 Wohnungen und Geschäftsräume in über 20 Städten durchsucht worden. 800 Polizisten waren im Einsatz. Die dabei gesammelten Beweise hätten dazu gedient, das nun ausgesprochene Verbot rechtlich zu unterfüttern, heißt es nun aus dem Bundesinnenministerium. Nach Einschätzung mehrerer Bundesländer stehen die Rocker der türkischen Regierungspartei AKP von Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan nahe. Medienberichten zufolge sollen sie aus politischen Kreisen der Türkei auch finanziell unterstützt worden sein. Zudem trat die Rockergruppe bei regierungsnahen türkischen Organisationen in Deutschland als Veranstaltungsschutz auf.

Bei Razzien in NRW ging es unter anderem um Geldwäsche, Urkundenfälschung, Erpressung und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dort wurde im Februar der frühere „Präsident“ des Wuppertaler Chapters der „Osmanen Germania“ bei bei einem nächtlichen Polizeieinsatz erschossen. Ein SEK-Beamter soll das Handy des 43-jährigen Rockers in der Dunkelheit für eine Waffe gehalten haben. Worum es bei dem Einsatz ging, will die Staatsanwaltschaft noch immer nicht verraten. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte berichtet, die Aktivitäten der Osmanen richteten sich auch gegen die PKK, linksextreme Türken und die Gülen-Bewegung. Belegt seien Kontakte von Osmanen-Führern zu Beratern von Präsident Erdogan.

Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen. Entsprechend gebe es auch Verbindungen zu den vom Verfassungsschutz beobachteten „Grauen Wölfen“, einer rechtsextremen türkischen Gruppe.

(dpa)
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