Münster: Innenminister: Rettungskräfte sollen jeden Angriff melden

Münster : Innenminister: Rettungskräfte sollen jeden Angriff melden

NRW-Innenminister Herbert Reul hat Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten dazu aufgerufen, jeden Angriff gegen sie oder gegen Kollegen zu melden. „Wir brauchen eine bessere Datenbasis, um die richtigen Schlüsse zum Beispiel für die Fortbildung zu ziehen”, sagte Reul (CDU) am Freitag in Münster.

Nach einer Studie der Uni Bochum wurden bereits 92 Prozent der Notärzte, Sanitäter und Rettungsassistenten im Einsatz beschimpft, 75 Prozent berichteten auch von körperlichen Angriffen. Für die Umfrage hatte die Uni 4500 Einsatzkräfte befragt. Allerdings hatten nur knapp über 800 den Fragebogen auch ausgefüllt (18 Prozent). „Das liegt sicherlich auch an der Einstellung dieser Berufsgruppe. Hier gilt oft der Spruch „Indianer kennen keinen Schmerz””, sagte Reul.

Kriminologen der Uni Bochum hatten das Forschungsprojekt im Auftrag der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, des NRW-Innen- und Arbeitsministeriums sowie der Gewerkschaft Komba NRW umgesetzt. Den Abschlussbericht übergab Professor Thomas Feltes am Freitag im Institut der Feuerwehr NRW in Münster. Erste Zahlen aus dem Bericht waren bereits im Oktober veröffentlicht geworden. Demnach kommen Übergriffe auf Rettungskräfte in 60 Prozent der Fälle nachts und häufiger in größeren Städten vor.

Etwa 80 Prozent der Betroffenen meldeten den letzten Übergriff auf die eigenen Person nicht. Als Grund gaben sie an, es würde sich ohnehin nichts ändern. Außerdem hielten sie die Angriffe für Bagatelldelikte. Die Hälfte der betroffenen Einsatzkräfte gab an, dass der Meldeweg nicht eindeutig beschrieben sei.

Hier will Reul ansetzen. „Menschen, die anderen helfen, werden angegriffen. Das kann so nicht stehen bleiben”, sagte der Innenminister. Eine Gesetzesverschärfung hält er nicht für notwendig, will aber dass die Behörden bei angezeigten Fällen die Null-Toleranz-Regel anwenden. Andreas Hemsing, Komba-Landesvorsitzender, nannte das Beispiel von Mitarbeiterin in Jobcentern. Sie würden angegriffen, dennoch würden die Verfahren oft eingestellt. „Anschließend kommen diese Kunden dann wieder, fühlen sich als Sieger und benehmen sich anschließend noch schlimmer”, beklagte Hemsing.

Konkret sollen nach den Vorstellungen Reuls die Meldewege verbessert werden und Angegriffene bessere Hilfen bekommen. Außerdem soll es für Hilfskräfte neue Weiterbildungsmodule in Selbstverteidigung und Deeskalation geben.

(dpa)
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