Jülich/Bonn: In einem strahlenden Land: Crowdfunding-Projekt für Doku-Film

Jülich/Bonn : In einem strahlenden Land: Crowdfunding-Projekt für Doku-Film

Marvin Oppong hat 20 Meter entfernt vom Reaktorgebäude auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich gestanden. Oppong hat seinen Geigerzähler ausgepackt und einfach mal gemessen, wie viel radioaktive Strahlung aus der Lagerhalle dringt, und siehe da, er war selbst überrascht: Der Geigerzähler schlug nicht aus.

Mit anderen Worten: keine erhöhte Radioaktivität in Jülich — trotz des strahlenden Reaktors, der jahrzehntelang in dem Gebäude stand.

Marvin Oppong ist freier Journalist und lebt in Bonn, vor zwei Jahren hat er 300 Euro investiert und sich einen Geigerzähler gekauft. Seitdem geht er der Frage nach, wo und wie stark Deutschland strahlt, kann man ja mal machen. Einen konkreten Anlass gab es nicht, Oppong hat seine Recherche auch nicht mit einer Arbeitsthese begonnen. Stattdessen ist er mit Geigerzähler und Kamera herumgereist und hat gefilmt und gemessen.

Aus dem so entstandenen Filmmaterial möchte Marvin Oppong bis Ende des Jahres einen Dokumentarfilm machen, der Fragen aufwirft und beantwortet, etwa diese: Leben wir in einem strahlenden Land? Wo können wir uns bedenkenlos aufhalten und wo nicht? Was können wir bedenkenlos essen? Um den Film zu realisieren, braucht Oppong Unterstützung und hat deswegen ein Crowd-funding-Projekt gestartet. In zwei Schritten möchte er knapp 6000 Euro einsammeln, was angesichts der Bedeutung der aufgeworfenen Fragen nicht sehr viel ist.

Hat jemand etwas zu verbergen?

In Tihange und Doel ist Oppong nicht gewesen, er sagt, irgendwo habe er eine Grenze ziehen müssen, sonst wären die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Und seine Grenze war die Bundesgrenze. Aus Aachener, Dürener und Heinsberger Sicht natürlich schade.

Auf seiner Reise ist Marvin Oppong davon überrascht worden, an wie vielen Orten in Deutschland radioaktives Material gelagert wird. Oppong war neu, dass die DDR der viertgrößte Uran-Exporteur der Welt war. Und Oppong hat nicht verstanden, warum er am Zaun des Forschungszentrums Jülich vom Wachpersonal fotografiert und verscheucht worden ist. Hat irgendjemand etwas zu verbergen? Der geplante Film könnte neue Antworten auf alte Fragen geben.

(gego)
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