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Impf-Priorisierung: Streeck für Aufhebung

Bonner Virologe : Streeck für Ende der Impf-Priorisierung

Der Virologe Hendrik Streeck unterstützt die Aufhebung der Impf-Priorisierung zum 7. Juni. Denn jeder Geimpfte reduziere das Infektionsgeschehen.

 „Die Unterschiede, die wir jetzt noch haben, sind nicht mehr so groß, als dass sie eine Priorisierung rechtfertigen würden“, sagte Streeck am Mittwoch in Bonn.„Wir sind jetzt in einer Phase der Pandemie, in der jeder, der geimpft wird, gleich welchen Alters, hilft, das Infektionsgeschehen zu reduzieren.“

Zu der Debatte darüber, ob schon Geimpfte sofort alle Freiheiten wiederbekommen sollten, sagte Streeck: „Wenn die Infektionszahlen weiter so sinken wie zurzeit, dann werden sowieso bald viele von uns ihre Grundrechte zurückhaben, ganz egal ob sie geimpft sind oder nicht. Und das können wir noch schneller erreichen, indem möglichst viele Menschen so schnell wie möglich geimpft werden, egal aus welcher Prioritätengruppe.“

Die Gerechtigkeitsdebatte sei gut und richtig, sagte Streeck. „Mein Fokus wäre aber ein anderer: Wir sollten so schnell impfen, dass sich die Frage bald gar nicht mehr stellt.“ Im Übrigen könne er sowohl die Geimpften verstehen, die jetzt sofort ihre Rechte zurückwollen, als auch diejenigen, die bisher keine Möglichkeit zum Impfen gehabt haben und sich jetzt nicht mehr viel länger zurücknehmen wollen. „Deren Rückkehr ins Leben kann man über leicht zugängliche Schnelltests aber auch jetzt schon weitgehend sicherstellen.“

In der Diskussion ist hin und wieder auch zu hören, dass das Virus gegen die Impfstoffe resistent werden könnte, wenn die Geimpften jetzt sofort ins pralle Leben zurückkehren. „Das ist aber relativ unwahrscheinlich“, stellte Streeck klar. „Es ist zwar möglich, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering - anders als bei schlecht wirkenden Antibiotika.“

Jeder Mensch gebe eine andere vielschichtige Immunantwort auf das Virus. Das habe zur Folge, dass es vielleicht mal bei einem schon Geimpften erfolgreich mutiere, damit aber beim Nächsten nicht unbedingt auch Erfolg habe. „Wir haben nicht alle denselben Angriffspunkt, und deshalb ist eine Mutation, die im großen Stil gegen Impfstoffe vollkommen resistent ist, eher nicht wahrscheinlich. Langfristig kann es aber sein, dass sich Varianten herausbilden, gegen die die Impfstoffe gar nicht oder nur schlecht wirken - und deshalb neu geimpft werden muss.“

(dpa)