Düsseldorf: Immer weniger Bäume stark beschädigt: NRW-Wälder erholen sich

Düsseldorf : Immer weniger Bäume stark beschädigt: NRW-Wälder erholen sich

Den Bäumen in Nordrhein-Westfalen geht es besser, wirklich gut geht es ihnen allerdings nach wie vor nicht. Jeder vierte Baum (25 Prozent) sei derzeit stark geschädigt, heißt es im Waldzustandsbericht 2017. Im Vorjahr waren es noch 29 Prozent gewesen. Demnach gelten aktuell 30 Prozent der Bäume als gesund, sie verloren abgesehen vom natürlichen Kreislauf weder Nadeln noch Blätter.

Der Zustand der Wälder sei aber noch nicht zufriedenstellend, warnte die NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf.

Ein Überblick über die Ergebnisse:

Gewinner: Vor allem die Buche konnte sich deutlich erholen. War 2016 noch knapp jeder zweite Baum dieser Sorte stark geschädigt, ist dieses Jahr nur mehr gut jeder vierte betroffen. Der Gesundheitszustand der Buchen schwankt allerdings seit Jahren enorm. Auch Fichten verlieren immer weniger Nadeln: Der Anteil der gesunden Bäume stieg von 30 auf 34 Prozent.

Der Grund: Bei beiden Baumarten blieb laut Bericht in diesem Jahr größtenteils die energiezehrende Fruchtbildung aus. Der mittlere, kritische Bereich legte bei Buche und Fichte allerdings zu - mehr Bäume befinden sich in der sogenannten Warnstufe.

Verlierer: Den Kronen der Eiche geht es unter den Hauptbaumarten 2017 am schlechtesten. Der gute Trend der vergangenen vier Jahre konnte sich nicht fortsetzen, jeder dritte Baum gilt momentan als stark geschädigt. Dafür waren laut Bericht in diesem Jahr vor allem Fraßinsekten wie die Raupen von Frostspanner und Eichenwickler im Frühjahr verantwortlich.

Auch bei der Kiefer sank der Anteil der gesunden Bäume um 10 Prozentpunkte auf 12 Prozent. Verursacht hat den Nadelverlust unter anderem Pilzbefall. Außerdem gilt die Rosskastanie derzeit als stark bedroht. Grund sind die Raupen der Kleinschmetterlinge.

Probleme: Der Klimawandel stresst die Wälder nach wie vor. Mehr Stürme, Starkregen und Klimaextreme wie große Trockenheit oder große Nässe werden durch ihn verursacht, sagte Hubert Kaiser, der stellvertretende Leiter der Forst- und Naturschutzabteilung im Umweltministerium. Außerdem hätten die Bäume wegen des Klimawandels weniger Möglichkeiten, sich zu erholen.

Zudem wanderten wärmeliebende Schädlinge wie der Eichenprachtkäfer ein. Neben dem Klimawandel machen Schadstoffemission und Versauerung der Böden sowie Luftschadstoffe den Bäumen zu schaffen.

Maßnahmen: Der Klimawandel sei für die Waldwirtschaft eine „große Herausforderung”, sagte Schulze Föcking. Die Wälder müssten widerstandsfähiger gemacht werden. Die Ministerin kündigte für 2018 ein Waldbaukonzept an, das Waldbewirtschaftern als Beratung dienen soll. Neben heimischen Baumarten müssten in das Konzept auch neue, durch den Klimawandel bedingt eingewanderte Arten einbezogen werden. Online soll das Konzept von einem sogenannten Klimadynamischen Waldinformationssystem begleitet werden.

Zum Waldzustandsbericht: Seit mehr als 30 Jahren informieren die Berichte über die Gesundheit der Wälder. Jährlich werden dafür rund 10.000 Bäume überprüft - vor allem auf Nadel- und Blattverlust sowie auf Indikatoren wie Vergilbung und Fruchtbildung. Seit vielen Jahren schwanken die Werte in den Berichten teils deutlich.

Der Landesverband des Bunds für Umwelt und Naturschutz kritisierte die Erhebung als reinen Baumzustandsbericht. „Ein Wald besteht nicht nur aus Bäumen und Holzvorrat, sondern er ist ein artenreiches und komplexes Ökosystem”, sagte der Landesvorsitzende Holger Sticht. Indikatoren wie Pilze und Insekten müssten in den Blick genommen werden. Der Naturschutzbund NRW (NABU) vermisst zum Beispiel Angaben zum Altholz- und Totholzbestand. „Es dürfen viel zu wenige alte Bäume in den Wäldern stehen bleiben”, kritisierte Heinz Kowalski, der Sprecher des Landesfachausschusses Wald im NABU NRW.

(dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten