Aachen/Schleiden: Im Nationalpark wird künftig mehr gejagt

Aachen/Schleiden: Im Nationalpark wird künftig mehr gejagt

Im Nationalpark Eifel wird die Jagd künftig offenbar ausgeweitet. Das ergab eine Anfrage dieser Zeitung beim nordrhein-westfälischen Umweltministerium und bei der Nationalparkverwaltung in Schleiden.

Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte am Sonntag in Aachen gesagt, Fehlentwicklungen im Nationalpark korrigieren zu wollen. Damit war unter anderem die Regulierung des Rotwildbestandes gemeint, teilte das Ministerium am Montag mit.

Die Jagd im Nationalpark ist seit seiner Gründung 2004 ein Streitthema, jedes Jahr werden zwischen 180 und 250 Rehe und Hirsche geschossen. So steht es in der Nationalparkverordnung.

Die Nationalparkverwaltung hält dies für unerlässlich, um genügend jungen Buchen das Wachsen zu ermöglichen, das Rotwildverbiss be- oder verhindert. Umweltschützer dagegen argumentieren, das Erschießen von Lebewesen sei in keinem Fall mit dem Schutzzweck eines Nationalparks vereinbar.

Henning Walter, Leiter der Nationalparkverwaltung, sagte, fast alle europäischen Nationalparks müssten mit Hilfe der Jagd die Rotwildbestände regulieren, also reduzieren. Die einzige Alternative dazu sei, ganze Waldstücke einzuzäunen, was aber auch nicht im Sinn eines Nationalparks liegen könne. Das „Anheben der Abschussquote um 30 Prozent” habe in den belgischen Ardennen zu zufriedenstellenden Ergebnissen geführt sagte Walter. Auf den Nationalpark übertragen bedeutete eine solche Anhebung, dass künftig zwischen 235 und 325 Rehe und Hirsche im Jahr geschossen werden dürften.

Dass es im Nationalpark und den angrenzenden Wäldern eine für die Waldentwicklung schädliche Menge Rotwildes gibt, ist kein Zufall. Rund um den Nationalpark gibt es zahlreiche an Jäger verpachtete Waldgebiete. Damit die Jäger genug zu schießen haben, locken die Verpächter mit einer Menge Futter immer wieder Tiere an. Da Rotwild aber wandert, bevölkern die Tiere nicht nur die verpachteten Waldgebiete, sondern früher oder später auch den Nationalpark.

Verschärfte Kontrollen in den vergangenen Jahren und das Verhängen erheblicher Bußgelder, teils im vier- und fünfstelligen Bereich, haben an dieser Praxis wenig geändert. Das Verpachten von Jagd ist eben ein lukratives Geschäft. Daher ist auch ungewiss, ob ein Anheben der Abschussquote die Menge des Rotwildes tatsächlich im gewünschten Umfang reduziert.

Henning Walter, der selbst Jäger ist, weiß um diese Problematik. Wenigstens „im Nationalpark wird nicht gefüttert”, sagt er, für andere Gebiete sei er nicht zuständig.

Die endgültige Entscheidung darüber, ob die Abschussquote angehoben wird, fällt nächstes Jahr, hieß es gestern im Umweltministerium. Eine Fachgruppe beschäftige sich mit diesem Thema. Henning Walter hofft, dass eine Entscheidung bis zum Frühjahr fällt.