Krefeld: Im Krefelder Zoo greift ein Orang-Utan zum Pinsel

Krefeld: Im Krefelder Zoo greift ein Orang-Utan zum Pinsel

Die Gemälde muten abstrakt an: Hektische rostbraune Streifen ziehen sich über eine Leinwand. Ein weiteres Bild ist in satten Blautönen gehalten, im Zentrum klebt offenbar zufällig übermalte Holzwolle aus dem Affenkäfig. Seit Oktober greift das Orang-Utan-Männchen Barito nach Angaben des Krefelder Zoos zu Farbe und Pinsel.

Seine Bilder sollen nun im Internet verkauft werden. Mit den Erlösen will der Zoo den Bau eines rund eine Million Euro teuren Gorilla-Außengeheges finanzieren.

Die in Krefeld eigens für die Tierbeschäftigung angestellte Mitarbeiterin Christine Peter hat in ihrer beruflichen Laufbahn schon mit mehreren Orang-Utans gemalt, wie sie erzählt. Barito ist allerdings nun das erste Männchen, das malt. Zugucken können Besucher dem zehn Jahre alten Affen bei seinem neuesten Hobby allerdings nicht. „Er malt in seinem Rückzugsraum, den man von außen nicht einsehen kann”, sagt Peter.

Ihn dort aufzusuchen, sei für Fremde wie beispielsweise neugierige Journalisten zu gefährlich. Denn Barito sei gerade in der Pubertät und sehr launisch, außerdem verhalte er sich beim Malen nicht gerade zimperlich, erzählt Peter. Wenn Barito sich künstlerisch austobe, gehe da auch mal die Staffelei der Leinwand zu Bruch. „Er ist halt ein junger Wilder”, sagt sie und lacht.

Eine Zoobesucherin brachte Peter nach eigenen Angaben einst auf die besondere Art der Affen-Beschäftigung. „Sie hatte im Affenhaus gezeichnet und dabei beobachtet, dass eine Orang-Utan-Dame ihre Bewegungen mit einem Stöckchen nachahmte”, erzählt Peter.

Der Eindruck, dass das Tier sich selbst gerne einmal künstlerisch betätigen wolle, habe sich dann bestätigt. Grundsätzlich hätten in verschiedenen Ländern immer mal wieder Affen gemalt, sagt Peter. Bedenken gegenüber der Authenzität der „Affenkunst” tritt der Zoo mit einem so genannten „Echtheitszertifikat” entgegen.

„Das wird von unserem Zoodirektor unterschrieben”, betont Peter. Alle Werke werden von dem Düsseldorfer Kunstvermittler Heinz Hachel eingescannt und sind somit auf der Internethomepage affenbrut.de für potenzielle Käufer einsehbar. Zwischen 120 und 160 Euro kostet ein Bild, auch sind noch Werke von Baritos Artgenossinnen, der inzwischen verstorbenen Orang-Utan-Lady Sita und der nun im Kölner Zoo lebenden Tilda zu erwerben.

Kunstvermittler Hachel sieht die Affenbilder nach eigenen Angaben nicht als „Kunst im eigentlichen Sinne”, sondern vielmehr als das Ausleben einer „rudimentären ästhetischen Kompetenz” an. Unter den Käufern seien viele Affenliebhaber, aber auch Unterstützer des Zoos, erzählt er.

Auch der ein oder andere menschliche Künstler habe der tierischen Konkurrenz bereits seinen Respekt gezollt. Derzeit hat Hachel nach eigenen Angaben rund 40 Affenbilder im Angebot.

Barito bekommt nach Angaben von Peter nur alle zwei Wochen die Malutensilien angeboten, eine „Session” dauert rund 45 Minuten. „Damit es für ihn spannend bleibt”, betont sie. Das Zeichnen beruhige die Affen und entreiße sie ihrem Zooalltag.

Barito benutzt nach Angaben von Peter gerne seinen behaarten Unterarm als Pinsel. Diesen schmiere er ganz mit den selbst ausgewählten Farben ein: „Seine Lieblingsfarbe ist Rot, das erinnert ihn an Gemüse und Früchte”.

Weil die Affen die Farben immer auch gerne in den Mund nähmen, verwende der Zoo grundsätzlich ungiftige Fingerfarben.

Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn sieht die Malstunden eher skeptisch. „Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass die Tiere beschäftigt werden”, sagt Artenschutz-Referent James Brückner. Allerdings handele es sich weniger um eine „artgerechte Beschäftigung” der Affen, sondern eher um eine „Vermenschlichung”, bemängelt er: „Hier zeigt sich genau die Problematik der Zootierhaltung.”

Nach Angaben des Verbands Deutscher Zoodirektoren handelt es sich bei den malenden Affen aus dem Krefelder Zoo um eine Seltenheit. Weitere künstlerisch tätige Tiere im deutschsprachigen Raum sind Geschäftsführer Peter Dollinger jedenfalls nicht bekannt.

„Nicht alle Affen sind an Kunst interessiert”, erzählt er. Zudem erfordere das Malen einen enormen zeitlichen Aufwand der Tierpfleger, den viele Zoos nicht erbringen könnten.

Für den Krefelder Zoo lohnt sich jedenfalls die Investition in die künstlerische Ader ihrer Orang-Utans. Für das neue Gorilla-Außengehege sind laut Hachel bereits 7000 Euro zusammengekommen.

Mehr von Aachener Nachrichten