NRW-Opferschutzbeauftragte: Im ersten Jahr 550 Menschen beraten

NRW-Opferschutzbeauftragte : Im ersten Jahr 550 Menschen beraten

Seit einem Jahr gibt es in Nordrhein-Westfalen eine Landesbeauftragte für den Opferschutz. Nun zieht Elisabeth Auchter-Mainz eine erste Bilanz.

Die seit einem Jahr aktive erste Landesbeauftragte für Opferschutz hat mit ihrem Team bereits 550 Kriminalitätsopfer beraten. „Es fragen alle Gruppen an: Junge und Alte, Männer und Frauen“, sagte Ex-Generalstaatsanwältin Elisabeth Auchter-Mainz (67) der Deutschen Presse-Agentur. Die neu geschaffene Anlaufstelle hatte am 1. Dezember 2017 ihre Arbeit aufgenommen.

„Wir haben Sexualopfer, Opfer häuslicher Gewalt, Einbruchsopfer, Unfallopfer - es ist alles dabei. Manche kommen direkt nach der Tat, noch bevor sie Anzeige erstattet haben, andere - etwa Missbrauchsopfer - Jahrzehnte später“, berichtete Auchter-Mainz.

„Wir haben relativ viele Anfragen von Männern, die Opfer geworden sind. Es gibt zu wenig Beratungsstellen für Männer. Da gibt es aus meiner Sicht Nachholbedarf“, sagte Auchter-Mainz. Außerdem gebe es zu wenig Beratungsstellen für Senioren.

Nach der Amokfahrt von Münster, bei der im April vier Opfer und der Täter starben, war sie besonders gefordert: „Wir haben alle Verletzten und Hinterbliebenen angeschrieben oder persönlich aufgesucht. Wir haben ihnen die zuständigen konkreten Ansprechpartner zusammengestellt – von der Trauma-Ambulanz über die Stelle zur Opferentschädigung bis Unfallkasse und dem Weißen Ring. Die Kontakte laufen teilweise bis heute noch“, berichtete die 67-Jährige.
Viele Menschen wüssten gar nicht, dass sie Anspruch auf Opferentschädigung haben, wenn sie bei einem Verbrechen vorsätzlich angegriffen und verletzt werden. „Wir vermitteln in diesen Fällen die Kontakte zu den zuständigen Landschaftsverbänden.“
Das von einem Geiselnehmer im Kölner Hauptbahnhof am 15. Oktober schwer verletzte Mädchen habe sie bereits mehrfach im Krankenhaus besucht, verriet die Opferbeauftragte. „Ich stehe mit den Eltern in Kontakt und habe ihnen – wie auch allen weiteren Opfer vom Kölner Hauptbahnhof – konkrete Stellen für Anträge auf Entschädigungsleistungen und Unterstützung benannt. Auch sind für das verletzte Mädchen bald nach dem Vorfall über den Weißen Ring Spenden geflossen.“
Das Leid der Opfer, von dem sie erfahre, sei in einigen Fällen enorm: „Manchmal muss man schon schlucken. Wir reden in unserem kleinen Team darüber. Das hilft.“
Ihre Bilanz nach einem Jahr: „Der Bedarf ist da. Es gibt Menschen, denen wir bei einem telefonischen oder persönlichen Kontakt weiterhelfen können, es gibt aber auch Menschen, die rufen mehrfach an.“ Es riefen auch Mitarbeiter von Beratungsstellen, Rechtsanwälte und Staatsanwälte an. „Das ist eine wichtige Aufgabe, die ich gerne weiter wahrnehmen möchte.“
Die ehemalige Kölner Generalstaatsanwältin hat als zentrale Ansprechstelle eine Lotsenfunktion für Kriminalitätsopfer. Auchter-Mainz hatte sich schon als Staatsanwältin für Kriminalitätsopfer besonders eingesetzt. Die Einrichtung einer Hotline für Opfer nach der Kölner Silvesternacht geht auf ihre Initiative zurück. Das Büro der Opferschutzbeauftragten ist im Gebäude des Oberlandesgerichts Köln untergebracht.

(dpa)