Aachen: Im Aachener Dom wird beleuchtet, geschneidert, gebetet

Aachen : Im Aachener Dom wird beleuchtet, geschneidert, gebetet

Mit viel Licht, sehr viel Licht, mit festlicher Liturgie, mit Georg Friedrich Händel, Wallfahrten, neuen Kleidern und politischer Prominenz feiert der Aachener Dom in diesem Jahr ein weiteres der vielen Jubiläen in seiner langen Geschichte: 40 Jahre Weltkulturerbe.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Dompropst Manfred von Holtum stellten am Dienstag die Programmhöhepunkte vor, die sich weitgehend auf eine Festwoche vom 23. bis 30. September konzentrieren werden.

Das Jubiläum: Im September 1978 wurde der Dom als erstes deutsches Bauwerk zum Weltkulturerbe ernannt und unter den Schutz der Unesco gestellt. Das macht die Kaiserstädter stolz, bringt aber neben zusätzlicher Publicity und touristischer Aufwertung auch Verpflichtungen mit sich. Denn die Weltkulturorganisation ist streng, und ihre Auflagen sind hoch. „Dombaumeister Helmut Maintz ist ständig in Kontakt mit der Unesco“, sagt von Holtum. Alle wichtigen Maßnahmen würden abgestimmt.

So müssen Stadt und Domkapitel zum Beispiel darauf achten, dass die visuelle Integrität und charakteristische Blickbezüge auf die Silhouette des Domes gewahrt werden. Wer sich über den Adalbertsteinweg der City nähert, ahnt, dass Aachen mit dem überdimensionalen Aquis Plaza bis an die von der Unesco gesetzten Grenzen gegangen ist. Philipp bestätigt das und sagt: „Wir achten genau darauf.“

Die Prominenz: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird während der Festwoche nach Aachen kommen. „Das ist auch angemessen“, stellt von Holtum selbstbewusst fest. „Da fehlt nur noch der Heilige Vater.“

An welchem Tag genau das Staatsoberhaupt den Dom besuchen wird, ist aber noch offen. Idealerweise käme er am Sonntag, 23. September, an dem es einen feierlichen Eröffnungsgottesdienst mit Bischof Helmut Dieser und anschließend einen Festakt im Krönungssaal des Rathauses gibt. Schirmherr wird NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sein.

Die Chefanklägerin am Europäischen Gerichtshof in Den Haag, Fatou Bensouda, wird während der Festwoche über die Zerstörung von Welterbestätten berichten.

Die Lichtinstallation: Für die neun Abende vom 22. bis 30. September kündigt Philipp eine „spektakuläre Lichtpräsentation am Dom“ an — Motto: „Der Dom leuchtet“. Mit 14 Hochleistungsprojektoren — 36 Millionen Pixel — ist eine Installation geplant, „die präzise auf die dreidimensionale Struktur des Domes ausgerichtet ist. Jedes Pixel weiß, auf welchen Punkt der Fassade es treffen wird“, sagt Philipp. Der Dom werde „bildlich in Bewegung gebracht, auf- und zugeklappt. Man erhält Einblicke in den Innenraum.“

15 Minuten lang werde an jedem Abend, für den jeweils 4000 Karten zu Verfügung stehen, die „Geschichte des Doms und seiner besonderen Beziehung zu den Aachenern erzählt“. Von Holtum und Philipp betrachten das Spektakel als „großes Gemeinschaftswerk von Dom und Stadt“.

Die Musik: An den beiden Sonntagabenden, 23. und 30. September, wird das Theater Aachen im Dom die Geistliche Oper von Georg Friedrich Händel aufführen.

Die Wallfahrten: Neben Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela war Aachen im Mittelalter einer der großen Wallfahrtsorte. Von Mai bis Oktober will das Domkapitel alte Pilgerwege wiederbeleben — jene von Kornelimünster, dem belgischen Moresnet und von Kohlscheid nach Aachen. Pilgerführer können dafür gebucht werden.

Das Kleid: Als besondere Spezialität in der zweiten Jahreshälfte hat sich das Domkapitel eine Art spirituelle Haute Couture ausgedacht. In dem Wettbewerb „Ein Kleid für Maria“ sind Künstlerinnen und Designer aufgerufen, ein Kleid für das Gnadenbild im Oktogon des Domes zu entwerfen. Für Anfang Dezember ist eine Preisverleihung vorgesehen. Die prämierten Modelle werden anschließend in einer Ausstellung in der Domschatzkammer gezeigt.

Das Gotteshaus: Wegen seiner einzigartigen Baugeschichte und Karls des Großen Vision vom „Neuen Rom“, wegen der damaligen Vorstellungen eines Abbilds des „himmlischen Jerusalem“ und der zahlreichen mittelalterlichen Königskrönungen, wegen des Gleichklangs seiner Maße und der Harmonie des karolingischen Baus hat der Aachener Dom herausragende Bedeutung, die die Unesco vor 40 Jahren erkannte.

Das Domkapitel steht stets vor der Aufgabe, die Balance zu halten zwischen touristischen und spirituellen Erfordernissen. „Das ist schwierig“, sagt von Holtum und erzählt von einem jungen Mann, der mit Kappe auf dem Kopf — Schirm nach hinten in den Nacken gedreht — durch den Dom schlenderte. Als ein Domschweizer ihm mit einer Geste bedeutete, die Kappe doch bitte abzunehmen, habe er sie nur um 180 Grad gedreht und sei weitergegangen. „Die kirchliche Bindung nimmt drastisch ab“, sagt von Holtum.

Pessimistisch ist er trotzdem nicht: „Das Bewusstsein für christliche Werte ist da; und der Dom erfüllt die Sehnsucht vieler Menschen nach Spiritualität.“

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