„Fridays for Future“: Hunderte Schüler demonstrieren in NRW

„Fridays for Future“ : Hunderte Schüler demonstrieren in NRW

Die Schwedin Greta Thunberg hat sie angesteckt. Auch in NRW treibt der Klimawandel die Jugend auf die Straße - und das meist während des Schulunterrichts. Drakonische Strafen schrecken die Schulschwänzer nicht.

Fabian schwänzt. Der Schüler aus Mülheim hätte eigentlich gerade Biologie-Unterricht, er läuft aber in der ersten Reihe mit bei der „Friday-for-Future“-Demonstration in Düsseldorf. „Ich lasse mir eine Entschuldigung von meiner Mutter schreiben, die unterstützt mich da“, sagt er. „Es ist ein großer Traum von mir, mich für sowas einzusetzen“, betont der 17-Jährige, der nächstes Jahr Abitur machen möchte.

Mit „sowas“ meint er den Klima- und Umweltschutz. Gegen den Klimawandel werde zu wenig getan. Die globale Bewegung „Fridays for Future“ bringt seit Monaten Tausende Schüler und Studierende freitags auf die Straßen. Oft während der Schulzeit. Fabian sagt: „Würden wir es samstags machen, würde es niemanden interessieren.“ Auf dem Pappschild einer 16-Jährigen aus Düsseldorf steht: „Jetzt müssen wir Schule schwänzen, damit ihr endlich aufwacht!“

Die Bewegung geht auf die schwedische Aktivistin Greta Thunberg zurück. Die 16-Jährige demonstriert seit Monaten freitags in Stockholm. Vergangene Woche gingen deutschlandweit etwa 20.000 Menschen auf die Straße.

In Düsseldorf sind zahlreiche Schüler vor den Landtag gezogen, um dort für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Foto: dpa/Christophe Gateau

Auf Fabians Schild heißt es: „Kohleausstieg? 2038 Jahre zu spät!“ Ähnliche Sprüche, die an die Demonstrationen für den Erhalt des Hambacher Forstes anknüpfen, halten viele der Schüler und Studenten auf Schildern hoch. Im Chor rufen sie immer wieder: „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“

Am Freitag demonstrieren in mehreren NRW-Städten insgesamt mehr als tausend vor allem junge Menschen. Laut Polizei sind es in Paderborn etwa 500, in Duisburg 150, in Köln knapp 100, in der Landeshauptstadt rund 300. Die Organisatoren schätzen die Zahlen zum Teil jeweils etwas höher. Auch in Dortmund, Bochum und Kleve gibt es Aktionen.

In Düsseldorf starten die Demonstranten am Vormittag in der Altstadt und ziehen über die Königsallee zügig bis vor den Landtag. Bei ihrem Tempo bleibt kaum Zeit für Selfies, die Sprechchöre ertönen ohne Pausen. Auch einige Erwachsene sind dabei, ein Strom-Anbieter hat ein Elektro-Auto gestellt, das vorne mitfährt und aus dem Musik tönt.

In Düsseldorf sind zahlreiche Schüler vor den Landtag gezogen, um dort für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Foto: dpa/Christophe Gateau

Auf Pias Pappschild steht: „Grünkohl statt Braunkohle.“ Die 18-Jährige aus Kaarst macht bald Abitur, schwänzen muss sie nicht, da sie freitags nur bis 9.30 Uhr Schule hat. „Ich glaube, man kann hier gut ein Statement setzen, dass wir Schüler auch was tun und auf die Straße gehen. Es wird immer gesagt, dass wir uns nicht für Politik interessieren und nur am Handy sind“, sagt sie.

Dennoch sind die Demonstrationen umstritten, weil manche Schüler wie Fabian schwänzen. Die Landesregierung hatte zuletzt bekräftigt, dass die Schulpflicht gelte und mit Sanktionen gedroht. Schließlich sieht ein einschlägiger Schulpflicht-Erlass im Extremfall empfindliche Strafen bis zu 1000 Euro Geldbuße für die Eltern oder „eine zwangsweise Zuführung“ zum Unterricht vor.

Die oppositionellen Parteien SPD und Grüne unterstützen die Kundgebungen hingegen. Schließlich wolle man das aufkeimende politische Engagement der Jugend nicht gleich wieder abwürgen. So kommt der SPD-Politiker André Stinka, Sprecher des Umweltausschusses, am Freitag vor den Landtag und ruft den Schülern zu: „Ihr müsst das tun. Es geht gar nicht anders.“

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