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Sprunghafter Anstieg: Hohe Corona-Fallzahlen in Kitas

Sprunghafter Anstieg : Hohe Corona-Fallzahlen in Kitas

Im Januar gab es rund 25.000 Infektionen bei Kita-Kindern und mehr als 14.500 bei Kita-Personal. Das ist ein sprunghafter Anstieg, und in der ersten Februar-Woche hat sich dieser Trend ungebremst fortgesetzt.

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Kitas in Nordrhein-Westfalen, sowohl unter den Kindern als auch unter Mitarbeitenden, ist im Januar gewaltig in die Höhe geschnellt. Das geht aus einem Bericht des Landesfamilienministeriums hervor. Demnach wurden im ersten Monat des Jahres rund 25.000 Corona-Infektionen bei Kita-Kindern gemeldet – ein Sprung von 3020 Fällen im Dezember. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2021 waren insgesamt 13.500 Fälle gemeldet worden.

Hinzu kamen im Januar mehr als 14.500 Corona-Infektionen bei Kita-Beschäftigten. In den zwölf Monaten des Jahres 2021 hatte es insgesamt 9145 Fälle gegeben.

Der Trend von Januar hat sich in den Februar hinein fortgesetzt. Der Bericht des Ministeriums erfasst Daten, die die Landesjugendämter bis Dienstag vergangener Woche gemeldet haben. Binnen dieser acht Tage gab es demnach rund 6870 Corona-Infektionen bei Kindern und rund 4350 Fälle bei Kita-Personal, wobei diese Werte nicht abschließend sind: „Aufgrund der Omikronvariante kommt es aktuell zu Meldeverzögerungen“, heißt es in den Ausführungen.

Die SPD kritisiert angesichts der Zahlen die Landesregierung. Es sei nicht zu verstehen, wenn von einem Regelbetrieb in Kitas die Rede sei, sagt Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, im Gespräch mit unserer Redaktion. Zwar seien im Januar „nur“ zwei Prozent der Einrichtungen von pandemiebedingten Schließungen betroffen gewesen. „Der Bericht gibt da aber nur einen Ausschnitt der Realität wieder“, so Maelzer.

Denn zusätzlich fielen Kita-Kräfte wegen der Überbelastung in der gegenwärtigen Situation aus. „Wenn Kitas schließen oder Öffnungszeiten einschränken, weil sie einfach nicht genug Personal haben, dann kommt das in der Statistik gar nicht vor. Die Lage ist schwieriger, als es diese Zahlen hergeben.“

Der SPD-Politiker fordert, dass Kitas mehr Chancen bekommen, eigenständig auf die Begebenheiten zu reagieren. „Dazu gehören beispielsweise die verbindliche Gruppentrennung, die Arbeit in kleinen festen Gruppen oder die verpflichtende Nutzung von Antigen-Schnelltests.“

Solche Regelungen sollten die Kitas in Absprache mit den Trägern und Elternbeiräten veranlassen können. Das ist eine zentrale Forderung in einem Drei-Punkte-Plan zur frühkindlichen Bildung, den die SPD-Fraktion erstellt hat. Außerdem heißt es darin: „Zur jetzigen Zeit noch Elternbeiträge zu verlangen, ist eine zusätzliche Belastung für die Familien und nicht zu rechtfertigen.“ Das Land solle dafür einspringen. Auch solle das Alltagshelferprogramm für die Kindergärten ohne Einschränkungen wieder aufgelegt werden.

Weiter sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Regina Kopp-Herr: „Wir müssen das vorhandene Personal unbedingt halten. Als Anerkennung ihrer Arbeit während der Pandemie hat das Personal in den Einrichtungen der frühkindlichen Bildung einen Corona-Bonus verdient.“

Familienminister Joachim Stamp (FDP) sprach jüngst im Landtag über die laufenden Vorbereitungen der Regierung, um im kommenden Herbst Sicherheit und höchstmögliche Normalität in Schulen und Kitas zu erreichen. Man wolle sicherstellen, „dass wir einen Herbst, wie wir ihn in der Vergangenheit hatten, und einen Winter, nicht ein weiteres Mal erleben werden“.