Köln: Historiker: Hexenprozesse haben viele Bezüge zur Gegenwart

Köln: Historiker: Hexenprozesse haben viele Bezüge zur Gegenwart

Mehr und mehr Städte rehabilitieren die Frauen, die vor 400 Jahren als Hexen verfolgt und hingerichtet wurden. Am Montagabend verurteilte auch ein Ausschuss des Kölner Stadtrates die Verfolgungen.

Der Münchner Historiker Ralf-Peter Fuchs, Autor eines Buches über Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe, bewertet solche Bestrebungen positiv. „Für mich ist es ein guter Ansatz, mit Menschen über die frühe Neuzeit ins Gespräch zu kommen”, sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Köln.

Schwierig sei die Frage, ob man die Kommunen heute wirklich noch juristisch für die damaligen Ereignisse verantwortlich machen könne. „Ich finde es aber durchaus sinnvoll, auf diese geschichtliche Phase hinzuweisen und zu schauen, wie leicht Menschen marginalisiert werden können, wie leicht Verfolgungssysteme zu solchen Eruptionen von Gewalt führen können. Das ist schon etwas, was man aus dieser Geschichte lernen kann - ähnlich wie aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts.”

Für das anhaltende Interesse sieht er mehrere Gründe. „Das Thema Hexen ist eingebettet in eine Frauen- und Gender-Geschichte. Hexenverfolgung als Frauenverfolgung - was so gar nicht stimmt.” Heute wisse man, dass auch Männer verfolgt worden seien. Das Verhältnis sei in etwa 80 Prozent Frauen, 20 Prozent Männer. Widerlegt habe die neuere Hexenforschung an den Universitäten, dass es in erster Linie um eine Verfolgung von „weisen Frauen” wie Hebammen gegangen sei.

„Natürlich interessiert es uns auch, wie es zu Massentötungen kommen konnte - mit dem Holocaust im Hinterkopf.” Die Zahl von etwa 25.000 bis 30.000 Getöteten sei sehr hoch. „Das ist zumindest für diese Zeit nicht vergleichbar mit einem anderen Phänomen.” In einzelnen Bistümern ließen sich bereits Ansätze von Ausrottungsideologien und -Bestrebungen nachweisen.

Darüber hinaus gebe es heute auch esoterische Bewegungen mit einem Interesse an Magie. So lasse sich eine ganze Reihe von Bögen in die Gegenwart schlagen, sagte Fuchs.