Aachen: Hilferuf aus der JVA: Erneut droht Personalabbau

Aachen: Hilferuf aus der JVA: Erneut droht Personalabbau

Auch knapp ein Jahr nach dem Ausbruch zweier Schwerverbrecher reißen die Berichte über eklatante Missstände in der Aachener JVA nicht ab. Und nun soll das Personal in dem mittlerweile als „Skandalknast” in Verruf geratenen Gefängnis offenbar sogar weiter reduziert werden.

In Gewerkschaftskreisen befürchtet man den Abbau von bis zu zwölf Stellen, bestätigt der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten in Aachen, Frank Mertzbach, unserer Zeitung. Demnach sei geplant, die Stellen auf andere Anstalten zu verlagern, sagt Mertzbach und übt heftige Kritik am NRW-Justizministerium: „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Bediensteten. Sie und die Anstaltsleitung werden im Regen stehen gelassen.”

Was zu diesem Aachener Hilferuf aus Düsseldorf verlautet, klingt nicht unbedingt wie ein deutliches Dementi: „Zunächst wird bis zum Jahresende ein das ganze Land betreffendes Vollzugskonzept erarbeitet”, sagt Ulrich Hermanski, Sprecher des Landesjustizministers Thomas Kutschaty (SPD). Darauf basierend werde „im nächsten Jahr landesweit über die Stellenverteilung entschieden”. Das Ministerium bestreitet ohnehin, dass in Aachen Personalnot herrscht: Die hiesige JVA sei personell so gerüstet wie ähnliche Anstalten in Bochum und Werl und verfüge damit über eine „vergleichsweise gute Stellenausstattung”, betont Hermanski.

Für Mertzbach ist das so, „als ob man Äpfel mit Birnen vergleicht”. Denn die Aachener Anstalt sei durch ihre einzigartige Bauweise „wesentlich personalintensiver als etwa Werl”, sagt der Gewerkschafter, der an den Fachleuten im Ministerium kein gutes Haar lässt: „Die haben keine Ahnung, was in der Praxis läuft.” Prekär ist die Personalsituation in Aachen laut Mertzbach überdies, weil unter den gut 250 uniformierten Bediensteten mittlerweile rund 30 sogenannte Tarifangestellte sind: „Diese werden drei Monate eingewiesen und dann auf die Häftlinge losgelassen.”

Und obwohl diese sehr jungen Kollegen, die im JVA-Jargon auch „Praktikanten” genannt werden, noch gar nicht richtig ausgebildet seien, müssten sie oft sofort alleine ganze Abteilungen betreuen. „Dabei können sie vieles noch gar nicht leisten und sind oft völlig überfordert.” Laut Ministerium gilt diese Praxis aber nicht nur in Aachen. In allen Gefängnissen des Landes würden Justizvollzugsbeschäftigte nach einer solchen Einweisungszeit „dienstplanmäßig berücksichtigt”, sagt Hermanski.

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