Düren: Herr Markmann will zur Annakirmes: Kritik an der Platzvergabe

Düren : Herr Markmann will zur Annakirmes: Kritik an der Platzvergabe

Statt mit rasanten Fahrgeschäften macht die Dürener Annakirmes seit einem Jahr mit einer Flut von Klagen Schlagzeilen. Schausteller gehen gerichtlich gegen ihre Ausbootung vor. Während acht Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Aachen aus dem Jahr 2017 immer noch nicht abschließend entschieden sind, liegen der Kammer bereits neun neue Klagen gegen die Platzvergabe 2018 vor.

Das zeigt zweierlei: Die Annakirmes ist für die Schausteller wirtschaftlich hoch attraktiv. Und an der Vergabepraxis muss sich etwas geändert haben.

Einer, der die Absage nicht kampflos auf sich sitzen lässt, ist der Bonner Schausteller Hubert Markmann. 31 Jahre lang stand er mit seinem Fahrgeschäft „Octopussy“ auf der Annakirmes. „31 Jahre hat sich das Dürener Publikum mit den Füßen für mein Geschäft entschieden“, sagt er. 2017 dann das für ihn nicht nachvollziehbare Aus. Der für die Platzvergabe zuständige Ausschuss des Stadtrates entschied sich für ein baugleiches Fahrgeschäft eines anderen Schaustellers, weil es aus Sicht der Ausschussmehrheit aus SPD, Grünen, FDP und Linken attraktiver sei. Die Kriterien „Bekannt und Bewährt“, die laut der städtischen Vergaberichtlinien bei baugleichen Geschäften den Ausschlag geben sollen, wurden ausgeblendet, kritisiert CDU-Fraktionschef Stephan Weschke.

Für Markmann angesichts hoher laufender Kosten ein herber finanzieller Verlust. „Hätten wir als Familie nicht mehrere Fahrgeschäfte, könnte mir eine solche Absage das Genick brechen“, erklärt der Bonner, der mit Blick auf etwaige Schadensersatzansprüche von einem Verlust von 54.000 Euro pro Jahr spricht. So viel Gewinn habe er in den Jahren 2014 bis 2016 in Düren an den neun Kirmestagen im Durchschnitt gemacht. Rund 20 Mal baut Markmann seinen „Octopussy“ in der Saison auf. „Die Annakirmes zählt dabei zu unseren besten Plätzen.“

Mit jährlich rund 800.000 Besuchern kann Düren zwar den NRW-Großveranstaltungen in Düsseldorf und Herne-Crange mit jeweils bis zu vier Millionen Gästen nicht das Wasser reichen. Die Annakirmes gehört aber immer noch zu den 25 größten Volksfesten in Deutschland. Nach einer Studie des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) gibt der durchschnittliche Kirmesbesucher in Deutschland pro Tag gut 22 Euro aus, bei den größeren Veranstaltungen auch deutlich mehr, beim Münchner Oktoberfest sogar bis zu 61 Euro.

Entsprechend begehrt sind die Standplätze bei den Schaustellern. Rund 800 Bewerbungen gehen Jahr für Jahr bei der Stadt Düren ein. Und alle wollen ein Stück vom Umsatzkuchen haben, der sich allein auf der Annakirmes auf deutlich mehr als 20 Millionen Euro belaufen dürfte. Nur rund 150 bis 160 Schausteller jedoch erhalten eine Zusage, die aufgrund der Qualität des Dürener Platzes selbst mehrere Hundert Kilometer An- und Abreise in Kauf nehmen.

Jahrzehntelang verlief dies weitgehend reibungslos, Klagen gegen die Platzvergabe hatten Seltenheitswert — auch, weil so mancher Schausteller sicher sein konnte, dass er wenn schon nicht jedes Jahr, dann doch alle zwei bis drei Jahre zum Zuge kam.

Attraktiv statt bewährt

Die Kriterien „Bekannt und Bewährt“ hatten einen hohen Stellenwert, sorgten aber auch für starre und nicht immer durchschaubare Vergabestrukturen, wie die neue Dürener Ratsmehrheit kritisiert. Sie setzt seit 2017 ausschließlich auf das in den Richtlinien der Stadt ganz oben stehende Kriterium der Attraktivität und sieht daher den Klagen gelassen entgegen“, wie Valentin Veithen (Linke) betont. „Wir erwarten alle einen abwechslungsreich gestalteten Festplatz. Dazu gehört, dass es einen Wechsel zwischen den Angeboten und Fahrgeschäften gibt. Nichts ist langweiliger, als jedes Jahr die gleichen Fahrgeschäfte, Imbisse, Verlosungen, Ausschankbetriebe zu erleben“, betont er.

Wie das Verwaltungsgericht Aachen entscheidet, ist offen. In einem Eilverfahren hatte das Oberverwaltungsgericht Münster im Juli 2017 im Fall „Octopussy“ die Vergabe für rechtswidrig erklärt. Aufbauen durfte Hubert Markmann dennoch nicht. Der Ausschuss besserte bei der angeordneten Neuvergabe seine Argumentation nach. Zwei weitere Eilverfahren vor dem OVG blieben im vergangenen Juli erfolglos.

Mehr von Aachener Nachrichten