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Henriette Reker im Interview: „Werde ganz normal arbeiten“

Reker zum Karnevalsauftakt : „Ich werde ganz normal arbeiten“

Am 11.11. beginnt der Karneval – nur wird man davon im Corona-Jahr auf den Straßen rein gar nichts mitbekommen. Selbst die Frohsinnskapitale Köln hat einen strikten Kurs gegen jede Art von Party ausgegeben. Die Oberbürgermeisterin erklärt, warum.

In den Karnevalshochburgen gilt am Mittwoch: Langeweile als Überlebensstrategie. Der Auftakt der Karnevalssession, bei dem in normalen Jahren Menschenmassen über die Straßen schunkeln, ist abgesagt.

In Köln etwa gilt ein Alkoholverbot, auch auf der Straße. Auf keinen Fall will man draußen Feiern sehen. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur beschreibt Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) den etwas anderen Karnevalsauftakt.

Mit welchem Gefühl schauen Sie auf den 11.11.? Ist Ihnen bange, dass es trotzdem Partys geben wird?

Reker: Ich bin eigentlich ziemlich zuversichtlich, dass die Allermeisten verstanden haben, dass es sich dieses Jahr nicht lohnt, nach Köln zu kommen - dass hier nichts los ist, dass hier ein normaler Arbeitstag sein wird. Das wird der langweiligste 11.11., den Köln jemals erlebt hat.

Party-Bilder würden einen ziemlichen Image-Schaden für Köln bedeuten. In dem Sinne: Die Stadt, die nicht ernst kann.

Reker: Deswegen hoffe ich ja, dass alle Kölner mitmachen werden. Das wollen sie natürlich nicht, dass ihre Stadt in ein schlechtes Licht gerückt wird. Wir wollen der Hotspot der Karnevalisten sein, aber nicht der Hotspot der Infektionen.

Sie sind in Köln geboren worden. Können Sie sagen, was es bedeutet, wenn der 11.11. ausfällt?

Reker: Als ich Jugendliche war, hatte die Sessionseröffnung ehrlicherweise noch nicht diese große Bedeutung. Da trafen sich ein paar Leute auf einer Bierbank am Ostermann-Brunnen. Dann war ich ja 35 Jahre raus aus Köln. In dem letzten Jahrzehnt, das ich wieder hier verbracht habe, war der 11.11. ein bunter Tag im tristen November. Das ist schon etwas Besonderes.

Der 11.11. war in den vergangenen Jahren mitunter auch ein Tag, an dem die Feiern auf ungute Art eskaliert sind. Aus dem organisierten Karneval werden nun wegen des Coronavirus schon Wörter wie „Entschleunigung“ in den Mund genommen. Können Sie dem etwas abgewinnen?

Reker: Ich kann dem schon etwas abgewinnen. Wir haben da ja auch in den vergangenen Jahren reagiert und dem Ganzen eine andere Struktur gegeben. Es wurden Veranstaltungen gemacht, um das Geschehen in der Stadt zu entzerren, es wurden viele zusätzliche Toiletten aufgestellt, und, und, und. Vielleicht aber ist es gar nicht schlecht, wenn wir nun noch mal auf Null stellen können. Da werden einem die Ursprünge wieder mehr bewusst.

Wie werden Sie den 11.11. erleben? Tragen Sie trotzdem ein Kostüm?

Reker: Ich habe mich am 11.11. noch nie verkleidet, obwohl ich mich gern kostümiere. Nein: Ich werde ganz normal arbeiten. Am Morgen trifft sich der Corona-Krisenstab.

(dpa)