Hambacher Forst : Heftige Proteste begleiten die Räumung des Waldes

Hambacher Forst : Heftige Proteste begleiten die Räumung des Waldes

Hambacher Forst: Polizei räumt Baumhausdorf „Lorien“

Von heftigen Protesten begleitet hat die Polizei im Donnerstag mit der Räumung des letzten bekannten Baumhaus-Dorfes im Hambacher Forst begonnen. „Weil es das letzte wirkliche Dorf ist, haben sich viele Menschen hier versammelt“, sagte eine Polizeisprecherin.

Mehr als 100 Menschen bildeten eine Menschenkette und leisten der Polizei energisch passiven Widerstand, wie ein dpa-Reporter berichtete. Teile der eingesetzten Polizei-Kräfte seien dabei rabiat vorgegangen. So wurde eine Frau mit einem Kabelbinder an einen Baum gefesselt.

Eine Aktivistin wurde verletzt, als sie von einer Leiter stürzte. Die Frau stürzte aus etwa sechs Metern Höhe ab. Notärzte kümmerten sich direkt um sie.

Nach Angaben der „Bild“-Zeitung handelt es sich dabei um eine Tochter des Musikers Leslie Mandoki („Dschinghis Khan“). „Die Ärzte sagen, es besteht keine Lebensgefahr“, sagte Mandoki dem Blatt. „Sie muss nun mehrere Tage in der Klinik bleiben, um sicherzustellen, dass sie keine inneren Verletzungen hat.“ Tochter Julia Mandoki schickte demnach eine SMS an „Bild“: „Als heute morgen die Polizei anfing, die Demonstranten aus den Baumhäusern zu drängen, kletterte ich schnell auf die Leiter.“ Dabei sei sie abgestürzt. Auch der Kölner „Express“ berichtete.

Für die Polizei ist nach eigenen Angaben noch nicht absehbar, wann die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst abgeschlossen wird. Zum einen sei die Situation am jetzigen Einsatzort „Lorien“ durch dichtes Unterholz und Baumhäuser in großer Höhe unübersichtlich. Außerdem wisse man nicht genau, wie viele Baumhäuser es noch über die bekannten hinaus gebe.

Ursprünglich war die Polizei von 50 bis 60 Hütten ausgegangen. Am späten Mittwochabend waren nach Polizeiangaben aber schon 64 Baumhäuser der Rodungsgegner abgebaut. Seit Beginn der Einsatzmaßnahmen vor zwei Wochen wurden laut Polizei 115 Menschen vorläufig festgenommen. Außerdem habe es 227 Gewahrsamnahmen und 674 Platzverweise gegeben. 30 Polizisten seien bislang verletzt worden.

Umweltschützer protestieren seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE weite Teile des Waldes roden will, um Braunkohle zu baggern. RWE hält die Rodung für unerlässlich, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hielt ungeachtet der Proteste an den Rodungsplänen fest: „Der Wald ist schlichtweg nicht mehr zu retten. Alles andere ist eine Illusion“, sagte er. Die Waldbesetzer kritisierter er scharf: „Wer illegal den Wald besetzt und unsere Mitarbeiter mit Fäkalien bewirft, ist für mich kein Aktivist. Das ist ein Straftäter“, sagte der Manager im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Im Innenausschuss des NRW-Landtags ging es noch einmal um den Tod eines 27-jährigen Journalisten, der in der vergangenen Woche von einer mindestens 15 Meter hohen Hängebrücke in den Tod gestürzt war. Innenminister Herbert Reul (CDU) schloss eine Mitschuld der Polizei an dem Unfall aus: „Den Sturz verantwortet, wer die Brücke gebaut hat.“

Seinen Schilderungen zufolge sollen Baumbewohner sogar noch während der Reanimierung des abgestürzten Journalisten mehrfach gerufen haben: „Scheiß 'drauf, Räumung ist nur einmal im Jahr!“ Die Polizisten hätten diese Leute daraufhin auf ihr „unfassbares Verhalten“ angesprochen - ohne Reaktion. Im Kurznachrichtendienst Twitter widersprachen allerdings viele Nutzer dieser Darstellung.

Am Donnerstagmorgen demonstrierten Greenpeace-Aktivisten mit einer Aktion in der Düsseldorfer Staatskanzlei für eine politische Lösung in dem Konflikt: 30 bis 40 Aktivisten schlugen kurzzeitig ihre Zelte im Foyer auf. Zwei Aktivisten kletterten auf das wenige Meter hohe Vordach der Staatskanzlei und brachten dort ein Banner mit der Forderung an: „Herr Laschet: Reden statt roden“. Die Aktivisten verließen das Foyer nach einem Gespräch mit Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski.

(dpa)
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