Aachen: Heckhoff und Michalski - jemals wieder frei?

Aachen: Heckhoff und Michalski - jemals wieder frei?

Beide saßen bereits seit Jahrzehnten im Knast, bevor sie im November 2009 gemeinsam aus der Aachener JVA türmten. Es folgte eine tagelange Flucht, bei der sie insgesamt sieben Geiseln in ihrer Gewalt hatten.

Ein halbes Jahr nach dem Prozessauftakt wird es jetzt vor dem Aachener Landgericht eng für Michael Heckhoff (51) und Peter Paul Michalski (47): Ihnen droht Sicherungsverwahrung bis ins hohe Alter, möglicherweise werden sie das Gefängnis nie wieder lebend verlassen. „Die Sicherungsverwahrung wäre für uns gleichzusetzen mit der Todesstrafe”, hatte Michalski an einem der letzten Prozesstage gesagt.

Dabei schien es zunächst gar nicht so schlecht zu laufen für den verurteilten Mörder Michalski und den Geiselgangster Heckhoff. Heckhoff gab sich vor Gericht betont rücksichtsvoll: Er wollte dem wegen Fluchthilfe angeklagten Vollzugsbeamten nichts anlasten und nahm seinen Komplizen Michalski in Schutz. Geiseln beschrieben, wie sich die Gangster nach zehn Stunden von ihnen per Handschlag verabschiedeten.

Doch das über 30 Prozesstage aufgebaute Image zerschlug sich an nur einem Vormittag - als eine psychiatrische Gutachterin ihren Gegenentwurf vom Wolf im Schafspelz skizzierte. Heckhoff sei ein Meister der Manipulation. Hinter dem freundlichen Gesicht stecke ein gewissenloser, unangepasster Psychopath mit einer tief verwurzelten kriminellen Identität. Die Ergebnisse des Gutachtens fielen so heftig aus, dass Anwalt Rainer Dietz prompt einen Antrag auf Befangenheit der Psychiaterin stellte.

An diesem Montag sollten die Plädoyers beginnen in dem Prozess, dessen Auftakt bereits im Mai war. Es kommt aber anders: Das Gericht wird wohl über den Befangenheitsantrag entscheiden. Sicherheitshalber wurden elf zusätzliche Verhandlungstage bis zum Februar festgelegt.

Heckhoff sitzt seit 33 Jahren fast ununterbrochen im Gefängnis. Mit 66 Jahren wird er wohl gerade einmal seine alte Strafe verbüßt haben. Michalski sitzt seit 22 Jahren und wäre ohne den spektakulären Ausbruch vielleicht mit 68 Jahren herausgekommen. Auch dieser hagere, stille, immer aufmerksam wirkende Mann muss mit Sicherungsverwahrung rechnen.

Viele Jahre war Michalski in Einzelhaft. Kurz vor dem Ausbruch hatte er es geschafft: endlich die Verlegung in die offene Abteilung. Dann kam Heckhoff - und mit ihm die Gelegenheit zur Flucht. Es war eine Zweckgemeinschaft ohne Freundschaft. Michalski nutzte sie. Eine zweite Gutachterin sprach von einem „eingeschliffenen inneren Zustand, Straftaten zu begehen”.

Das Gericht glaubt den beiden Schwerverbrechern in einem Kernpunkt: Sie seien aus Frust geflohen - wegen der mangelnden Perspektive im Vollzug.

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