Hans-Leyers-Weg in Eschweiler: Fall für Historiker

Stadt will Namensgebung prüfen lassen : Der Hans-Leyers-Weg wird ein Fall für die Historiker

Die Vergangenheit des 1981 verstorbenen Dr. Hans Leyers wird die Stadt Eschweiler noch länger beschäftigen. Dass er sich Verdienste erworben hat, wird nicht bestritten. Allerdings will die Verwaltung nun historisch fundiert prüfen lassen, welche Rolle der Mann, der 1951 mit seiner Familien nach Weisweiler zog, als Offizier im Zweiten Weltkrieg gespielt hat.

Schließlich hat ihm die Stadt im Jahr 1992 auf Antrag der Tochter eine Straße gewidmet. Einstimmig erfolgte der Beschluss im Stadtrat. Das Buch „Unter blutrotem Himmel“ von Mark Sullivan beschreibt Leyers als Vertrauten Hitlers und „obersten Sklaventreiber“ in Italien.

Dass nach diesem Mann, dem manche Greueltat in dem Buch nachgesagt wird, eine Straße benannt wurde, lässt sich mit seiner Zeit nach dem Krieg begründen. Unter anderem stiftete die Familie ein Grundstück sowie 150.000 Deutsche Mark an die Evangelische Kirchengemeinde Weisweiler. Zudem arbeitete Leyers dort als Kirchmeister. Der heutige Pfarrer Wolfgang Theiler kam erst später, im Jahr 1998, nach Weisweiler. „Das Buch gibt den Anstoß, die Vergangenheit nach historisch fundierten Maßstäben aufzuarbeiten“, sagt er.

Das gleiche Ansinnen hat auch Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram: „Die gründliche Aufarbeitung dieser Zeit ist nicht nur in unserer Stadt sehr wichtig.“ Dazu wolle er auch die Kirchengemeinde und den Geschichtsverein mit ins Boot holen, um dann dem Stadtrat einen Vorschlag zu unterbreiten. Schon einmal wurde eine Straße in Eschweiler umbenannt, nachdem herausgekommen war, dass der Namensgeber eine Nazivergangenheit hatte: Carl Diem. Seit dem Jahr 2002 heißt sie Franz-Rüth-Straße ‑ nach dem ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden und stellvertretenden Bürgermeister in Eschweiler.

Ob der Hans-Leyers-Weg weiter unter diesem Namen bestehen bleibt, entscheidet letztlich der Stadtrat.

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