Handwerksbetriebe in der Region Aachen optimistisch

Konjunkturumfrage der Kammer : Das Handwerk legt einen Zahn zu

Es gibt Gründe, weshalb zur Beschreibung der wirtschaftlichen Lage oft dasselbe Vokabular herangezogen wird wie beim Wetter. Das zeigt sich aktuell im Baugewerbe, das aufgrund der außergewöhnlich sommerlichen Witterung noch auf die sonst übliche Eintrübung im Herbst wartet.

Diese äußeren Einflüsse und eine „robuste Binnennachfrage“ seien die Gründe für eine gute Stimmung bei den regionalen Handwerksbetrieben, sagte am Donnerstag der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Aachen, Peter Deckers. „Es ist nicht mehr so wie früher, als gleich die ganze Wirtschaft krank wurde, wenn der Export hüstelte.“ Die Konjunkturdynamik habe in vielen Gewerken nochmals einen Zahn zugelegt. Trotzdem seien es momentan gerade politische Unsicherheiten, die etwa im Kfz-Bereich und bei Zulieferbetrieben die Euphorie bremsten, erklärte er bei der Vorstellung der Herbstkonjunkturumfrage der HWK.

Dabei gaben 92 Prozent der 255 befragten Handwerksbetriebe an, im vergangenen Halbjahr gute oder befriedigende Geschäfte gemacht zu haben. 89 Prozent rechneten außerdem damit, dass sich dieser positive Trend auch in den kommenden sechs Monaten fortsetzen werde. Ein Blick in die Auftragsbücher bestätigt diese guten Erwartungen: Auf durchschnittlich knapp sieben Wochen sind die Betriebe derzeit mit Arbeit versorgt – im Bauhauptgewerbe sind es sogar noch einmal zweieinhalb Wochen mehr.

Regionen: In den Kreisen Heinsberg, Düren und Euskirchen sowie der Städteregion Aachen, die zum Kammerbezirk gehören, sind für das vergangene Halbjahr kaum Unterschiede festzustellen. Im Kreis Euskirchen beurteilten 93 Prozent der Betriebe ihre Geschäftssituation positiv. Das ist ein Prozentpunkt mehr als im Kreis Düren und in der Städteregion, während der Kreis Heinsberg auf 91 Prozent kommt.

Aufschlussreicher sind die Veränderungen gegenüber dem Herbst 2017: Da schneiden die Dürener Betriebe mit einer Steigerung um fünf Prozentpunkte deutlich besser ab als noch vor einem Jahr. „Möglicherweise beflügelt dort die Nachricht über die Produktion des e.GO die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Verbesserung im Kreis“, mutmaßte Deckers. Weniger optimistisch scheinen hingegen die Betriebe im Kreis Heinsberg zu sein: Dort sank die Anzahl positiver Einschätzungen der Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte.

Branchen: Im Kfz-Gewerbe zeigte sich besonders deutlich, was politische Unsicherheiten im wirtschaftlichen Alltag bedeuten. Meldeten im Herbst 2017 noch 90 Prozent der Betriebe gute oder befriedigende Geschäfte, waren es in diesem Jahr gerade noch 74 Prozent. „Hier ist von der Politik dringend eine Klärung nötig, etwa ob die Kunden mit Dieselfahrverboten rechnen müssen oder ob es Nachrüstungen geben wird“, sagte Nicole Tomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der HWK.

Das wirkte sich auch auf die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (u.a. Metall- und Maschinenbauer, Feinwerkmechaniker, Informationstechniker) aus. Unter ihnen sind viele Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie und stark exportabhängige Unternehmen, weshalb auch hier nur noch 86 Prozent ihre Lage positiv einschätzten – neun Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Davon gänzlich unberührt zeigte sich hingegen das Bauhauptgewerbe (u.a. Gerüstbauer, Straßenbauer, Zimmerer, Betonbauer), das zu 100 Prozent zufriedenstellende Ergebnisse vermeldete.

Mit 95 Prozent ähnlich positiv bewerteten die Unternehmen aus dem eng mit dem Bauhauptgewerbe verbundene Ausbaugewerbe (u.a. Elektrotechnik, Tischlerei, Glaserei) ihre Situation. Ebenfalls volle 100 Prozent Zufriedenheit gaben die Betriebe aus dem Nahrungsmittelgewerbe (u.a. Bäcker, Konditor, Fleischer) an. Auch im Gesundheitsgewerbe (u.a. Optiker, Akustiker, Zahntechniker) ist die Stimmung mit 94 Prozent optimistisch, während sie im personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe (u.a. Schneider, Friseur, Textilreiniger) mit 85 Prozent auf hohem Niveau noch etwas verhalten ist.

Beschäftigung und Nachwuchs: Beinahe konstant geblieben ist die Anzahl unterzeichneter Lehrverträge im Kammergebiet: sie ist um 37 auf 2148 gesunken, lediglich in der Städteregion wurden bislang mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Am größten sei der Mangel an Fachkräften derzeit bei den Elektroinstallateuren, den Heizungsbauern und den Kfz-Mechanikern, sagte Nicole Tomys. „Wir merken auch, dass in den größer werdenden Betrieben die interne Weiterbildung attraktiver wird, da dort zunehmend Führungskräfte gebraucht werden.“ Und angesichts unangenehmer Erscheinungen wie steigender Preise und Fachkräftemangel dürfe man nicht vergessen, dass dies Indikatoren für eine durchaus gute Entwicklung seien: eine Wirtschaft in der Hochkonjunktur.

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