Hambacher Forst: Sieben Polizisten verletzt

Merzenich/Kerpen: Steine und Molotowcocktails: Sieben Polizisten im Hambacher Forst verletzt

Im Hambacher Forst haben Vermummte am Wochenende erneut Polizisten angegriffen und dabei insgesamt sieben Beamte verletzt. Aus dem Wald flogen Steine, Pyrotechnik und Molotowcocktails, wie die Polizei berichtete. Zwei Frauen wurden am Wochenende festgenommen.

Bereits am Freitagabend waren Polizisten an der Landstraße 276 von Vermummten mit Steinen beworfen und mit Zwillen beschossen worden. Ein Beamter wurde dabei am Hinterkopf getroffen und ging verletzt zu Boden. Erst als die Polizisten drohten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, habe die Attacke aufgehört - die Vermummten verschwanden im Wald. Der Verletzte wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht.

Selbstgebaute Sprengvorrichtungen?

Am Samstag wurden dann an einem Waldweg drei Gegenstände entdeckt, die nach selbstgebauten Sprengvorrichtungen aussahen und von einem Spezialisten untersucht werden mussten. Abermals wurde ein Polizeiwagen mit Steinen beworfen. Die Polizisten nahmen eine 22-Jährige fest. Währenddessen näherten sich den Angaben zufolge erneut Vermummte, die zum Teil Metallstangen bei sich trugen.

An zwei anderen Stellen kam es zu weiteren Auseinandersetzungen. Beamte seien dort mit Steinen, Pyrotechnik und Molotowcocktails beworfen worden, berichtete die Polizei. Zwei Polizisten erlitten leichte Blessuren.

Die Polizei betrachtet die Angriffe als Hinweis darauf, dass sich „offensichtlich zunehmend extreme, gewaltbereite, der linksautonomen Szene zugehörige Straftäter” in dem Wald aufhalten, wie sie mitteilte.

Die Untersuchung der vermeintlichen Sprengvorrichtungen wurde am Samstag bei Einbruch der Dunkelheit unterbrochen, eine hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits als Attrappe herausgestellt.

Am Sonntag prüften Spezialisten des Landeskriminalamts die beiden übrigen sprengstoffähnlichen Gegenstände im Wald. Es handelte sich um Attrappen, die im Anschluss beseitigt wurden. Zur Überprüfung hatte der Entschärfer einen Sicherheitsbereich festgelegt, in dem sich aus Sicherheitsgründen keine Personen aufhalten durften. Kurz vor Beginn der Entschärfung wurden die Beamten, die den Bereich sicherten, mit Steinen beworfen und mit Zwillen beschossen. Vier Polizeibeamte wurden dabei leicht verletzt.

Zudem musste die Polizei am Sonntag eine Person befreien, die sich an einem Auto fixiert hatte. Die Frau wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorläufig festgenommen. Gegen Ende dieses Einsatzes wurden die Einsatzkräfte mit Pyrotechnik und Molotowcocktails beschossen, jedoch nicht getroffen.

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach ist bestürzt

Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach zeigte sich bestürzt: „Ich bin erschüttert und empört angesichts der Gewalt, die den Polizistinnen und Polizisten zunehmend entgegenschlägt. Diese Straftaten werden konsequent verfolgt. Ich erwarte von all jenen, die ihren Protest friedlich ausdrücken wollen, dass sie sich klar und deutlich von solchen Straftätern und ihren Gewalttaten distanzieren und aktiv dazu beitragen, dass die Gewalt nicht weiter eskaliert."

Damit erinnert er auch an den Aktionskonsenz, der durch verschiedene Aktionsbündnisse unterzeichnet wurde, und in dem man sich zur Gewaltlosigkeit im Protest verpflichtet hat.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze kritisiert die Gewalt

Bundesumweltministerin Svenja Schulze kritisierte die neuerliche Gewalt im rheinischen Braunkohle-Abbaugebiet. „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung. Ich fordere die Braunkohle-Gegner und mögliche Sympathisanten auf, auf jegliche Angriffe zu verzichten und ihren Protest friedlich auszudrücken”, sagte die SPD-Politikerin am Sonntag.

In Berlin protestierten am Sonntag etwa zehn meist junge Frauen und Männer bei einem Auftritt von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der Bundespressekonferenz in Berlin gegen die geplanten Rodungen. Die Demonstranten trugen T-Shirts mit Aufschriften wie „Kohle stoppen” oder „Hambi bleibt”. Nach wenigen Minuten stehenden und schweigenden Protests setzten sich die Naturschützer wieder und nahmen weiter an einer sogenannten Bürgerpressekonferenz beim Tag der offenen Tür der Bundespressekonferenz mit Altmaier teil.

Die Umweltschützer von Greenpeace riefen derweil zu friedlichen Protesten auf. „Wir rufen daher alle Seiten dazu auf, auf Gewaltanwendung zu verzichten und zur Deeskalation aktiv beizutragen”, hieß es in einer Mitteilung vom Sonntagabend. Dazu gehöre auch der Verzicht auf Provokationen wie jener Ankündigung von RWE, den Hambacher Wald noch vor Abschluss der Arbeit der Kohlekommission räumen und roden zu lassen.

Bereits mehrfach ist es im Konflikt um den alten Hambacher Wald zu Angriffen auf Polizeibeamte und Beschäftigte des Energiekonzerns RWE gekommen. Der Wald liegt im Südosten des Tagebaus Hambach. RWE plant ab Oktober Rodungsarbeiten in dem Forst für den Tagebau. Darüber war es in der frisch gegründeten Kohlekommission zu einem offenen Streit gekommen.

(red/pol/dpa)
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