Hambacher Forst: Nächste Räumung der Baumhäuser naht

Neue Baumhäuser: Nächste Räumung im Hambacher Forst naht

In dem Mischwald im Braunkohlerevier sind längst wieder Baumhäuser und Barrikaden errichtet. Die Landesregierung will das nicht hinnehmen und kündigt erneute Maßnahmen an.

Das letzte der 86 Baumhäuser war geräumt und beseitigt, ein paar tausend Polizisten verließen den Hambacher Forst quasi mit dem Ende einer Großdemonstration zum Kohleausstieg. Sechs Wochen ist das her, und nahezu im gleichen Moment begann schon wieder der Aufbau der verschwundenen Dörfer.  In dem kleinen Wäldchen wird dann wieder an vielen Orten gehämmert und geschraubt.

Kleine Siedlungen, sogenannte Barrios, entstehen, ein paar Dutzend zumeist junge Menschen leben weiterhin in dem öffentlich zugänglichem Wald. „Strukturen erschaffen“, sagen die Umweltaktivisten dazu. In den vergangenen Wochen sind deutlich weniger Baumhäuser entstanden als zuvor abgerissen worden waren.

Neue Barrikaden errichtet

Überall im Wald sind Holzbarrikaden errichtet, sie entstehen auch bei den inzwischen traditionellen sonntäglichen Waldspaziergängen. Die neuen Siedlungen entstehen, aber ihr baldiges Ende naht schon wieder. „Die Landesregierung wird darauf achten, dass auch im Hambacher Forst das Bau- und Umweltrecht beachtet werden“, kündigt ein Sprecher des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung an. Das Ministerium hatte die Städte Kerpen und Düren Mitte September mit dem Hinweis auf baurechtliche Mängel beim Brandschutz zur Räumung veranlasst.

Die gleiche Messlatte wird nun an die neuen Baumhäuser angelegt.  „Fest steht, dass es keine dauerhafte Duldung von illegalen Zuständen geben wird“, sagt der Sprecher. Die Behörde müsse die Gefahren abwehren, auch für Menschen, die illegal im Wald leben würden. Zudem habe man registriert, dass von „geneigter Seite  augenscheinlich offen zum Rechtsbruch, etwa durch die Handlungsanweisungen für ‚neue Waldbesetzer’, aufgerufen werde.

Im Innenministerium des Landes ist in diesen Tagen zu hören, dass die Polizei bei entsprechenden Ersuchen der Kommunen wieder Vollzugshilfe leisten muss und wird. Das war schon im September das rechtliche Konstrukt.

Einige Demonstranten haben inzwischen ein neues Camp in Morschenich eingerichtet. Eine Seniorin, die das abrissgeweihte Dorf nicht mehr verlassen will, hat ihnen eine Wiese hinter ihrem Haus zur Verfügung gestellt. Von dort aus werden die Aktivitäten koordiniert.

„Wir kehren zurück“

„Wir rechnen permanent mit der Räumung“, sagt Lena Hay, Sprecherin der Aktivisten. Schon vor einer Woche gab es eine interne Alarmierung. Geräumt (und später abgerissen) wurden damals nur besetzte Häuser in Manheim. Verstehen will sie nicht, dass die Landesregierung und Waldbesitzer RWE gegen den friedlichen Protest von Menschen, die im „Einklang mit der Natur leben“, weiter vorgehen werden. Hay ist zuversichtlich, selbst wenn in den nächsten Tagen die Siedlungen wieder geräumt werden sollten. „Wir werden wieder zurückkehren, den Kampf um den Hambacher Forst haben wir schon gewonnen.“

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