Hambacher Forst: Journalist nach Sturz gestorben

Unglück im Hambacher Forst: Journalist nach Sturz von Hängebrücke gestorben

Journalist stirbt bei Sturz aus großer Höhe im Hambacher Forst

Im Hambacher Forst ist Mittwochnachmittag ein junger Journalist tödlich verunglückt. Gegen 15.50 Uhr stürzte der Mann nach Angaben der Polizei aus etwa 15 Metern Höhe durch die Holzbretter einer Hängebrücke.

Die Erstversorgung durch Notärzte und Rettungssanitäter blieb erfolglos, der Mann starb kurz nach dem Unfall an der Unglücksstelle. Die Räumung wurde am Mittwoch bis auf Weiteres unterbrochen.

Der Vorfall ereignete sich in einer Baumhaussiedlung namens „Beechtown“, die in unmittelbarer Nähe zur Tagebauabbruchkante entlang der Grenze zwischen Merzenicher und Kerpener Gebiet liegt. Die Siedlung ist bewohnt, also bislang noch nicht geräumt, eine Hebebühne ist allerdings schon vorgefahren. Die Baumhäuser haben verglichen mit einigen anderen einen höheren baulichen Standard, die meisten sind mit Hängebrücken und nicht mit Seilkonstruktionen verbunden.

Polizeisprecher Paul Kemen betonte am frühen Abend, dass zum Zeitpunkt des Unfalls keine polizeiliche Aktion in der Siedlung stattgefunden habe: „Es gab keinen Zusammenhang hinsichtlich der Räumung. Wir hatten auch nicht vor, an die Häuser heranzutreten.“ Waldbesetzer verbreiteten dagegen im Internet, dass die Polizei zu dem Zeitpunkt des Unfalls versucht hätte, „das Baumhausdorf zu räumen“.

Tragischer Unfall

Polizeisprecher erläutert tödlichen Unfall im Hambacher Forst

Wie Kemen berichtete, soll es wie folgt zu dem tragischen Unfall gekommen sein: Der junge Journalist und Blogger, der das Leben der Aktivisten seit Beginn der Räumung begleitet hatte, soll sich mit einem anderen Journalisten in Verbindung gesetzt haben, weil seine Kamera-Speicherkarte voll gewesen sei. Da alle Siedlungen abgesperrt sind, sei jener Journalist mit einem Polizisten zu den Baumhäusern gegangen.„Als sie sich gerade verständigen wollten, wie sie eine neue Speicherkarte überreichen, ist es zu dem Unfall gekommen“, sagte Kemen. „Wir haben versucht, die Dokumentation der Leben auf den Baumhäusern zu unterstützen.“

Die Polizei hat den Bereich abgesperrt. Sie untersuche nun den Unglücksort „ganz präzise“ und werde „gegebenenfalls ein Ermittlungsverfahren einleiten, wenn Fahrlässigkeit bestand“, zum Beispiel bei der Sicherung und dem Zustand der Bretter, erklärte Kemen. Den in den Bäumen lebenden Aktivisten biete die Polizei nach dem Unfall „jegliche Hilfe an“, um aus den Baumhäusern geleitet zu werden.

Ein Düsseldorfer Unternehmen, mit dessen Arbeitsbühnen die Polizei im Hambacher Forst arbeitet und mit dessen Hilfe die Beamten auf die Baumhäuser gelangen, hat am Mittwochabend angekündigt, seine Geräte aus dem Wald abzuziehen. „Da auch wir mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können, haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort stilllegen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. „Wir machen das, obwohl wir es rein rechtlich nicht dürfen, und setzen uns damit hohen Regressansprüchen unseres Kunden aus.“

Technik mit der Firmenaufschrift „Gerken vermietet Arbeitsbühnen“ war auf Fotos zu sehen, die die Räumung von Baumhäusern durch die Polizei zeigen. Eine Sprecherin der Polizei Aachen bestätigte am Abend, dass die Firma Gerken ihre Zusagen am Mittwoch zurückgezogen habe.

Räumung ausgesetzt

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Räumungsarbeiten im Braunkohlerevier Hambacher Forst nach dem Tod des Journalisten „bis auf weiteres“ ausgesetzt. „Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf.

Die NRW-Grünen forderten, dass alle polizeilichen Maßnahmen auf die Aufklärung des Vorfalls konzentriert werden. Reul erklärte, die Ermittler bräuchten jetzt Zeit und Ruhe, um das Geschehene aufzuklären. Dabei sei auch die Mönchengladbacher Polizei involviert, die mit dem Hambacher Forst sonst nicht eingebunden sei.

Das Aktionsbündnis „Hambi bleibt“ hatte nach dem Unglück den sofortigen Stopp der Räumung gefordert. „Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden“, schrieb die Initiative in ihrem Blog.

RWE teilte mit: „Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen des Verstorbenen.“ Ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft konnte am Abend noch nicht sagen, ob Ermittlungen eingeleitet würden.

Auf Twitter löste der Unfall zahlreiche heftige Reaktionen aus. Viele Gegner des Braunkohleabbaus forderten RWE und die Polizei auf, die Räumungsarbeiten nun dauerhaft einzustellen. Andere Nutzer fragten, was der Journalist bei den Aktivisten in den Bäumen zu suchen gehabt habe. Ein anderer Twitterer kritisierte: „Ekelhaft, wie der tragische Unfall im #HambacherForst jetzt von beiden Seiten instrumentalisiert wird!“

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