Hambacher Forst: Festnahmen nach Steinwürfen

Waldbesetzer-Szene im Hambacher Forst : Neue Steinwürfe, alte Rituale

Die Zahl der Straftaten am Tagebau Hambach ist in den vergangenen Wochen wieder angestiegen, viele bürgerliche Unterstützer der Waldbesetzer sind irritiert. Ein Erklärungsversuch.

Am Hambacher Forst sind am Dienstagnachmittag erneut Steine geworfen worden, und wieder waren Mitarbeiter des Energiekonzerns das Ziel der Angriffe. Dieses Mal hätten zwei Tatverdächtige versucht, in den Tagebau Hambach zu gelangen, und als sie von RWE-Mitarbeitern entdeckt wurden, hätten die Verdächtigen sie mit Steinen beworfen, wie die Aachener Polizei am Mittwochnachmittag mitteilte.

Doch anders als bei fast allen anderen Straftaten am Hambacher Forst konnte die Polizei die Tatverdächtigen dieses Mal festnehmen: Die RWE-Mitarbeiter hätten die Steinewerfer so lange festgehalten, bis die Beamten eingetroffen seien, erklärte die Polizei.

Im stark gewachsenen Unterstützerkreis der Anarchisten im Hambacher Forst hatten die Angriffe auf den RWE-Werkschutz insbesondere vor und an Weihnachten Irritation, Wut und in einigen Fällen auch Bestürzung hervorgerufen. Dass unter den Waldbesetzern auch gewaltbereite Straftäter sind, hatten manche Menschen, die im Herbst an den Demonstrationen im Hambacher Forst teilnahmen, für bösartige Unterstellungen von Politikern, Polizisten und Journalisten gehalten.

Zwar konnten in Bezug auf die Angriffe mit Molotowcocktails, Steinen und Zwillengeschossen bislang keine Tatverdächtigen ermittelt werden, doch nach einigen Veröffentlichungen auf der Homepage der Waldbesetzer und unzähligen ähnlichen Vorfällen in den vergangenen Jahren besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Angreifer unter den Waldbesetzern zu suchen sind.

Profilierung durch Gewalt

Beobachter der Geschehnisse rund um den Hambacher Forst, die in Kontakt mit einem Teil der Waldbesetzer stehen oder standen, wollen beobachtet haben, dass sich das Gesicht der Waldbesetzerszene in den vergangenen Wochen geändert hat. Langjährige Waldbesetzer zogen öffentlichkeitswirksam inszeniert teils entnervt, teils frustriert, teils aus anderen Gründen aus dem Hambacher Forst ab, neue Aktivisten seien hinzugekommen. In der Vergangenheit hätten neu hinzugekommene Aktivisten immer wieder versucht, sich mit Angriffen auf Polizisten und RWE-Mitarbeiter zu profilieren, um Einfluss in der Waldbesetzerszene zu gewinnen.

Nach den Angriffen im Dezember machten Gerüchte die Runde, denen zufolge aus Portugal stammende Aktivisten das Sagen im Hambacher Forst übernommen haben sollen. Doch nach Informationen unserer Zeitung liegen den Sicherheitsbehörden keine entsprechenden Erkenntnisse vor.

Als gesichert gilt im Moment nur, dass einige erfahrenere Waldbesetzer nicht mehr vor Ort und andere neu hinzugekommen sind. Ob sie aber aus Portugal oder doch aus den linksautonomen Szenen in Köln, Hamburg, Leipzig oder Berlin stammen, ist nicht abschließend geklärt. Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte vergangenes Jahr gegenüber unserer Zeitung erklärt, der Hambacher Forst sei „zu einem der vier wichtigsten Hotspots der linksextremen Szene in Europa geworden“. Mit anderen Worten: zu einem Tummelplatz für Linksextremisten, der Menschen aus ganz Europa anzieht.

Einen Hinweis darauf, wer die neuen Waldbesetzer sind, hätte möglicherweise die Festnahme der beiden mutmaßlichen Steinewerfer am Dienstag liefern können. Der Polizei gelang es nicht, die Angreifer zu identifizieren, auch Fingerabdrücke hätten nicht genommen werden können, weil die beiden Männer sich ihre Fingerkuppen verklebt oder verätzt hätten, teilte Petra Wienen mit, Sprecherin der Aachener Polizei.

Am Mittwochnachmittag dann lehnte es das Amtsgericht Düren ab, die beiden Männer länger in Gewahrsam zu halten oder gar in U-Haft zu nehmen. Die Polizei musste die Angreifer wieder auf freien Fuß setzen.

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