Merzenich: Hambacher Forst: Am Ende fliegen doch Farb- und Bitumenbomben

Merzenich : Hambacher Forst: Am Ende fliegen doch Farb- und Bitumenbomben

Der Waldspaziergang war schon fast vorbei, da wurde Dirk Weinspach wütend. Während der Aachener Polizeipräsident mit einigen Kollegen an einer Führung durch den Hambacher Forst teilnahm, wurden zwei Autos, mit denen die Polizisten gekommen waren, mit Farb- und Bitumenbomben beworfen.

Diese Attacke ist ein Zeichen dafür, wie angespannt die Lage in dem besetzten Waldstück ist, dass dem Braunkohletagebau weichen soll.

Der Spaziergang mit Naturführer Michael Zobel geriet dabei fast zur Nebensache. Zwar war ein großer Teil der mehr als 300 Teilnehmer vornehmlich an dem interessiert, was Zobel zum Wald, zur Rodungssaison, zum Vorgehen von RWE und zu den Baumhäusern zu sagen hatte. Die Diskussionen am Rande drehten sich aber in erster Linie um die Polizeigewalt und um Gewalt gegen die Polizei.

Dass Weinspach an diesem Spaziergang teilnahm, war brisant, weil die Waldbesetzer jedem Polizisten, der den Hambacher Forst betritt, kürzlich unverhohlen mit Gewalt gedroht hatten. Der Tenor ihres Schreibens: Zutritt für Polizeibeamte verboten. Das ist für die Polizei naturgemäß nicht hinnehmbar. „Es kann nicht sein, dass die Besetzer des Waldes darüber entscheiden, wer in den Wald darf. Das ist inakzeptabel, und das werden wir nicht zulassen“, sagte Weinspach.

Die Stimmung war am Sonntag von Beginn an gereizt. Der Versuch eines Gespräches vom Polizeipräsidenten mit vermummten Aktivisten scheiterte oft schon an der Bereitschaft der Waldbesetzer, sich ernsthaft zu unterhalten. Sie warfen Weinspach vor, die Bühne des Waldspaziergangs zu nutzen, um ein falsches Bild von den Aktivisten zu zeichnen. Ihrer Meinung nach will Weinspach die Protestbewegung in einen friedlichen und einen gewalttätigen Teil spalten. Weinspach hatte dagegen angekündigt, mit den Aktivisten und dem bürgerlichen Widerstand im Dialog bleiben zu wollen.

Mehrfach versuchten die zum Teil vermummten Waldbesetzer Weinspach mit Gesang zu übertönen. „Mir ist auch wichtig, zu klären, ob der Dialog zu Ende ist. Will man hier Konfrontation und Gewalt? Oder will man Konflikte im Vorfeld durch Dialog und Transparenz entschärfen?“, fragte Weinspach.

Dass während des Spaziergangs die beiden Autos der Polizei — vermutlich von Waldbesetzern — beworfen wurden, wertete Weinspach als Beleg dafür, dass er nicht übertreibe, wenn er über Gewaltbereitschaft im Hambacher Forst spreche. Die Aktivisten seien selbst bei einem solchen Besuch nicht in der Lage, „einen Waffenstillstand hinzubekommen“, sagte er.

Auch Waldführer Zobel sagte, dass ihn dieser Angriff „schockiere“. Nach Erkenntnissen von Polizei und Verfassungsschutz sind unter den 100 bis 150 Waldbesetzern auch Mitglieder der autonomen Szene aus Berlin, Leipzig und Hamburg.