Stunksitzung mit vielen Themen: Hambach erreicht den Kölner Karneval

Stunksitzung mit vielen Themen : Hambach erreicht den Kölner Karneval

Der kölsche Karneval nur mit gebürtigen Kölnern? Das könnte ziemlich eintönig sein. Gerade mal zwei Jecken schaffen es unter diesen Vorgaben in der Eingangsnummer der diesjährigen Stunksitzung auf die Bühne, die jetzt mitten in der Adventszeit ihre Premiere im Kölner E-Werk hatte.

Wie gut, dass sie sich nicht abschotten und schnell jede Menge Immis integrieren – nicht nur aus Izmir, sondern auch aus Hamm und Kleve. So kann die Multikulti-Truppe schnell die gewohnte Stimmung in die Bude bringen, mit der sie nun schon seit 34 Jahren eine ziemlich treue Fangemeinde des links und alternativ angehauchten Karnevals begeistert.

Was als Satire auf die großen Prunksitzungen 1984 begann, hat dem damals noch so spießigen und oftmals stockkonservativen Traditionskarneval längst den Rang abgelaufen. 62 Vorstellungen bringt das ziemlich professionelle Ensemble in dieser Session bis Veilchendienstag auf die Bühne – so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Stunksitzung. Und alle sind auch diesmal schon (fast) ausverkauft. Wer das Glück hatte, eine Karte zu ergattern, kann gewiss sein, nicht enttäuscht zu werden.

Der Rechtsruck in der Gesellschaft gibt natürlich auch den Stunkern zu denken, die sich nicht nur um die Deppen in Chemnitz sorgen. Bis die nämlich ihre Protestschilder umformatiert und neu beschriftet haben („Annegret Kramp-Karrenbauer muss weg“), hat die CDU womöglich längst wieder eine neue Vorsitzende. Nein, sie geben auch den Wutbürgern, Dauerbeleidigten und Besorgten in der AfD Nachhilfe, um nicht vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden und erklären, dass es gute und schlechte Ausländer gibt. Die Schweizer gehören beispielsweise zu den Guten: „Weil sie uns unterstützen.“ Und in einer Persiflage auf die Sendung mit der Maus, erklärt Lügenbär Käpt‘n Blaubär seinen Enkeln, wie ihm einst die Fakenews ausgebüxt sind und sich so stark vermehrt haben, dass sie inzwischen sogar eine eigene Firma gegründet haben: die Agentur für Desinformation, kurz AfD.

Moderatorin Biggi Wanninger in einer Paraderolle als SPD Parteivorsitzende Andrea Nahles. Foto: Thomas Brill

Zu den Höhepunkten zählt in dieser Session die Parodie der famosen Moderatorin Biggi Wanninger auf SPD-Chefin Andrea Nahles, die das Parteivolk mehrere Minuten lang zusammenschreit und lautstark erklärt, dass sie nicht nur „die Rache der Eifel für die erloschenen Vulkane“ ist, sondern im Grunde auch einen ganz weichen Kern hat. „Ich komm‘ da nur nicht richtig ran.“ Schuld am Niedergang der SPD hat sie freilich nicht. „Die war schon vorher kaputt. Bätschi!“

Und dann ist da ja auch noch der Tagebau. Kabarettist Bruno Schmitz steuert diesmal einen riesigen Schaufelradbagger nach Köln. 30 Ortschaften hat er auf dem Weg dahin schon weggebaggert, was ihm leid getan hat. Mit Köln hat er weniger Probleme: „Sieht sowieso aus wie Sau.“ „Wir roden Kirchen“, ruft er aus und erklärt schon mal, was passiert, wenn das Loch groß genug ist. „Dann machen wir das, was die Kölner am besten können: Volllaufen lassen.“

An weiteren Themen – vom Bienensterben bis zur Wohnungsnot – ist jedenfalls kein Mangel, um daraus eine höchst kurzweilige vierstündige Show zu fertigen. Zumal ja auch noch die traditionsreiche Hauskapelle Köbes Underground um Frontmann Ecki Pieper dabei ist, die noch aus jedem großen Hit eine echte Lachnummer gemacht hat. Diesmal dabei: der türkische Gemüsehändler Ferdi Mercürü (Ozan Akhan) mit seiner Anatolien Rhapsody und ein Trupp Alt-Achtundsechziger, der das Abba-Musical „Mamma Mia“ als „Mao Mia“ auf die Bühne bringt. Es erinnert an Zeiten, als die Linke noch die Abschaffung des Rechtsrheinischen forderte und skandierte: „Kölner lass das Gaffel sein, zieh dir mal das Haschisch rein.“

Wie gewohnt wird der WDR an Weiberfastnacht einen anderthalbstündigen Zusammenschnitt der Show zeigen. Zu sehen am Donnerstag, 28. Februar, ab 22.10 Uhr im Dritten.

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