Events in der Euregio: Gutes Design in schlechtem Englisch bei der „Hello Designer Tour”

Events in der Euregio : Gutes Design in schlechtem Englisch bei der „Hello Designer Tour”

Das Credo der in Aachen geborenen „Hello Designer Tour” hört sich witzig an: „We are good in bad English.” (Wir sind gut in schlechtem Englisch.) Das soll nicht nur ein Witz sein, sondern auch eine einfache Botschaft vermitteln: Design spricht eine universelle Sprache, die unabhängig von der Muttersprache auch grenzüberschreitend ausgezeichnet funktioniert.

Überzeugen kann man sich von dieser Idee den ganzen Oktober lang: Dann wird das außergewöhnliche Event zum dritten Mal einen Monat lang in der gesamten Region seine Spuren hinterlassen. Designer, Institutionen und in der Design-Wirtschaft Tätige aus Städten wie Aachen, Sittard, Maastricht, Kerkrade, Hasselt, Genk, Lüttich und Eupen zeigen in diesem Zeitraum an ihren Wirkungsstätten und anderen ungewöhnlichen Orten, was Design für sie ausmacht. Nicht nur ein Highlight für Designer selbst, sondern genauso für interessierte Otto Normalverbraucher.

Das unterstreicht auch Fabian Seibert, selbst Designer, Mitgründer der Designmetropole Aachen und einer von vier Organisatoren der „Hello Designer Tour“: „Wir bieten einen kompletten Design-Monat, in dem man Orte, Designer und deren Objekte in der Euregio kennenlernen kann, in Städten oder Stadtvierteln, wo man vorher vielleicht noch nie gewesen ist. Es lohnt sich wirklich, ins Auto zu steigen und einen Nachmittag oder Abend auf Entdeckungstour zu gehen. Das ist wie ein Tag Urlaub.“

Verknüpft wird das Thema Design mit dem internationalen Charakter der Region, wo Einflüsse aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden aufeinanderprallten und für diesen spannenden und einzigartigen Mix sorgten.

Stephan Moritz und Jan Friese, die aus Bambus Fahrräder bauen. Foto: Mario Irrmischer

Pop-up-Store und Strick-Workshop

Dieses Jahr ist sogar eine große Kooperation mit der mehrwöchigen „Reciprocity Design.Liège“, der International Triennale Design & Social Innovation, zustande gekommen. In Hasselt wiederum finden sich Künstler, Designer und Städteplaner zusammen, um Stadtteile neu zu denken. In Aachen wird in Kooperation mit dem Centre Charlemagne ein Pop-up-Store zu der Ausstellung „Uns gehört die Stadt“ entstehen, der in der zweiten Oktoberhälfte in Heerlen fortgeführt wird. Im Ludwig Forum hingegen wartet die sechste Edition im „LuForm. Design Department“ auf zahlreiche Besucher.

In Lüttich wird in einem Atelierhaus ein Happening mit Modenschauen und weiteren Aktionen zu sehen sein. Auch Maastricht lockt mit außergewöhnlichen Aktionen: Neben einem Strick-Workshop mit der innovativen niederländischen Designerin Maartje Boer wird es beispielsweise auch eine Dienstleistungstauschparty geben — initiiert von Chequita Nahar, der Direktorin der Maastricht Academy of Fine Arts and Design (MAFAD).

Das Cube Design Museum in Kerkrade plant eine innovative Design-Konferenz. Und in Lüttich finden neben dem BAM Festival auch verschiedene Portfolio-Workshops für Designer im Musée d’Ansembourg in Kooperation mit der Maastrichter Initiative „The Artist and the Others“ statt. „Spannend ist auch der Workshop von Andreas Robertz und Alex Nettesheim, die mit ihren Teilnehmern schicke Boxen für das unübersichtliche Ladekabelsammelsurium bauen werden“, verrät Seibert.

Das Team der „Hello Designer Tour“: Thorsten Gambalat, Chantal Rexhausen und Fabian Seibert. Foto: Mario Irrmischer

Wie sich die Tour entwickeln würde, davon hatten auch die Initiatoren im Premieren-Jahr 2016 nur eine vage Vorstellung. Es war ein enormer Aufwand, die Akteure in den verschiedenen Gegenden zum Mitmachen zu bewegen. Dabei kam den Organisatoren ihr gutes Netzwerk zugute, insbesondere das Creative Hub Euregio (CHE). Es habe sich gelohnt. Seibert rechnet mit einem Rekord in puncto Anmeldungen: „Ich schätze, dass es mehr als 70 verschiedene Events sein werden. Konkrete Zahlen haben wir erst am Ende des Design-Monats, da Events noch im laufenden Monat eingetragen werden können.“

Kein Selbstläufer

Dennoch: Ein Selbstläufer ist die Tour noch lange nicht. Klinkenputzen war auch bei der dritten Auflage für die Organisatoren angesagt. Für Verbreitung sorgen nicht nur die Sozialen Netzwerke, sondern auch der weit gefasste Design-Begriff. Die Teilnehmer müssten außerdem nicht viel Geld in die Hand nehmen, eine pfiffige Idee sei wichtiger.

Studiert Modedesign in Maastricht und macht mit bei der „Designer Tour“: Dana Lipka. Foto: Mario Irrmischer

Von handwerklichen Aktionen über Ausstellungen bis hin zu intellektuell geprägten Diskussionen — ein Blick in den Veranstaltungskalender offenbart dabei die Ideenvielfalt der Veranstaltungen. Ein Möbelbau-Workshop, ein Netzwerk-Dinner, eine Food-Saving-Aktion mit anschließendem Kochkurs, Podiumsdiskussionen oder Wohnzimmergespräche — die Liste wird Tag für Tag erweitert.

Zudem wird unter den Teilnehmern erstmalig der „Hello Designer Tour Award“ ausgelobt, der in den Kategorien „Newcomer“, „Profi“ und „Best Event“ jeweils nach Deutschland, Belgien und die Niederlande vergeben wird. Am 9. November werden die neun Gewinner in der Aachener Digital Church bei der Preisverleihung gekürt.

Preisgekrönt ist die „Hello Designer Tour“ auch: 2017 wurde sie von Tourismus NRW mit dem #urbanana-Award ausgezeichnet, einem Preis für kreative Projekte im Städtetourismus in Nordrhein-Westfalen. Überzeugt haben Niedrigschwelligkeit und der spontane Charakter des Events. „Viele grenzüberschreitende Projekte scheitern meist an den Übersetzungskosten. Ein normales Design-Büro würde es in unserem Fall nicht hinbekommen, alles dreisprachig zu veröffentlichen. Daher haben wir von Beginn an gesagt: Dann einigen wir uns halt auf schlechtes Englisch, das können wir alle irgendwie“, schmunzelt Seibert.

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