Aachen: Güter schneller in Antwerpen

Aachen: Güter schneller in Antwerpen

Köln-Antwerpen: Das sind rund 200 Kilometer. Ein Güterzug brauchte bis Ende vergangener Woche bis zu viereinhalb Stunden für diese Strecke. Am Sonntag rückten beide Städte ein ordentliches Stück zusammen. Acht Kilometer neue Oberleitung machen es möglich.

Die Bahnverbindung Köln-Antwerpen ist europaweit eine der wichtigsten Güterverkehrsstrecken. Rund 100 Güterzüge verkehren an normalen Werktagen zwischen Rhein und Westerschelde.

Doch die Strecke hatte einen kleinen Schönheitsfehler: Zwischen Aachen-West und Montzen war sie bisher auf einem Teilstück von rund acht Kilometern (wozu auch der Gemmenicher Tunnel unter dem Dreiländereck gehörte) nicht elektrifiziert.

Folge für die Bahn: Am Bahnhof Aachen-West musste die deutsche E-Lok für die Überquerung der Grenze nach Belgien durch eine Diesellok ersetzt werden. In Montzen kam dann wieder eine E-Lok vor den Zug, in Gegenrichtung natürlich ebenso. Zeitverlust für die Bahn durch das zweimalige „Umspannen”: zwischen einer und zwei Stunden.

Auch die Anwohner der Bleiberger Straße im Aachener Westen litten unter der Lücke im Draht. Denn die zum Teil recht betagten Dieselloks dröhnten jahrelang wummernd an ihren Häusern vorbei die Steigung zum Gemmenicher Tunnel hoch.

Theoretisch ist damit seit Sonntag Schluss. Nach anderthalbjähriger Bauzeit ist die Lücke in der Oberleitung auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Portal des Gemmenicher Tunnels auf Aachener Seite und dem belgischen Grenzbahnhof Montzen Vergangenheit. Rund zehn Millionen Euro haben die Belgier in das Projekt investiert.

Vorteil für die Bahn: Da künftig der Lokwechsel zumindest in Montzen entfallen kann, gewinnen die Güterzüge zwischen Köln und Antwerpen rund eine Stunde Fahrzeit. In Aachen muss weiter umgespannt werden, denn infolge der Trassenführung kommen Güterzüge aus Köln im Aachener Westbahnhof „verkehrt herum” an: Die Lok steht dann Richtung Düsseldorf und muss für die Weiterfahrt nach Belgien ans andere Zugende rangiert werden.

Ob es für die Anwohner der Bleiberger Straße demnächst auch ruhiger vor der Haustür wird, ist dagegen noch offen. Unklar ist, ob die Belgier sofort komplett von Diesel- auf Elektroantrieb umsteigen. Der momentan etwas verringerte Lärmpegel hat jedenfalls nichts mit der neuen Oberleitung zu tun, sondern mit der allgemeinen Wirtschaftskrise.

Bahnsprecher Gerd Felser: „Die Strecke nach Belgien ist eine wichtige ´Autostrecke´. Dort werden Kohle und Stahl nach Deutschland transportiert und fertige Autos nach Antwerpen zur Verschiffung.” Durch die aktuelle Rezession habe die Bahn derzeit im Güterverkehr Einbrüche zwischen 20 und 40 Prozent, und davon sei auch die Route nach Montzen betroffen. Auf deutscher Seite wolle man jedenfalls ab sofort nur noch mit Strom fahren.

So ganz stimmt die Sache mit der durchgehenden Elektrifizierung allerdings immer noch nicht. Auf deutscher Seite fahren die Züge mit 15.000 Volt Wechselspannung, in Belgien mit 3000 Volt Gleichspannung. Weil man die Oberleitungen beider Systeme nicht so einfach verbinden kann, gibt es auf dem 1107 Meter langen Viadukt von Moresnet eine 150 Meter lange „Systemwechselstelle” ohne Oberleitung.

Hier wechseln die Güterzüge antriebslos und mit viel Schwung in das jeweils andere Stromnetz. Für die Lokomotiven ist das kein Problem. Das sind sogenannte Mehrsystem-Loks, die mit beiden Spannungen klarkommen.

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