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Hunderte Beamte im Einsatz: Großrazzia gegen Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen

Hunderte Beamte im Einsatz : Großrazzia gegen Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen

Mit einer Großrazzia sind die Polizei NRW und mehrere Behörden am Samstagabend gegen Clankriminalität vorgegangen. Kontrolliert wurden in mehr als zehn Kommunen etwa Shisha-Bars, Wettbüros, Spielhallen und Teestuben mit Clanbezug. Hunderte Beamte waren im Einsatz.

Ein Schwerpunkt war Essen. Dort ging es den Behörden vor allem um die Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit Glücksspiel. Mit Erfolg: In einem Hinterzimmer eines Internet-Cafés wurde ein Raum entdeckt, in dem Spielautomaten und Tische aufgestellt waren. Der Zugang zu dem Raum war hinter einem Spind versteckt. Die Polizei vermutet, dass die Geräte nicht angemeldet waren. In einem anderen Bistro in der gleichen Straße fanden die Beamten drei mutmaßlich illegale Spielgeräte und einen Pokertisch. Insgesamt wurden in Essen aus fünf Objekten neun Geräte abtransportiert und weitere zwölf bemängelt.

Glückspiel

Der Essener Polizeipräsident Frank Richter vermutet, dass Straftaten im Zusammenhang mit Glückspiel „ein wichtiges Standbein krimineller Clans sein“ könnten. Die Bandbreite möglicher Straftaten zum Erwirtschaften hoher Gewinne sei sehr groß. So könnten neben illegal aufgestellten Spielgeräten unter anderem Delikte der Geldwäsche, Steuerhinterziehungen, illegales Glücksspiel und dem erpresserischen Aufstellen von Automaten eine Rolle spielen, teilte er am Sonntagmorgen mit.

Auch sonst hatten die Beamten in Essen gut zu tun: Zivilkräfte stellten vier illegale Straßenrennen fest. Vier Autos mit einem geschätzten Gesamtwert von über 400.000 Euro wurden sichergestellt, darunter ein Sportwagen im Wert von 250.000 Euro. Die Feuerwehr schloss eine Shisha-Bar wegen zu viel Rauch, das Ordnungsamt einen Club wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung. Zwei weitere Betriebe seien wegen Verstößen gegen Hygiene-Schutzbestimmungen geschlossen worden, berichtete die Polizei am Morgen. „Der Staat guckt hin und macht deutlich, dass er wehrhaft ist“, sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) bei einem Besuch vor Ort.

In Duisburg entdeckten die Beamten eine vermutlich illegale Spielhalle. Sie habe sich in einer vermeintlichen Teestube befunden, sagte ein Polizeisprecher. Entdeckt worden seien 17 Geldspielautomaten, für die keine Gewerbeanmeldung vorliege.

„Es geht darum, denen, die im Alltag diese Städte unsicher machen, zu zeigen: Das ist beendet, ihr kriegt hier jeden Tag Unruhe“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Besuch eines Einsatzortes in Essen. Es gelte die klare Ansage: „Hier gilt nicht das Recht der Familie, sondern das Recht des Staates.“ Es handle sich nicht um Kleinkram, sondern um „großkriminelle Taten“.

Der Essener Polizeipräsident Frank Richter vermutet, dass Straftaten im Zusammenhang mit Glückspiel „ein wichtiges Standbein krimineller Clans sein“ könnten. Foto: dpa/Caroline Seidel

Durchsuchungen gab es auch in Bochum, Herne, Witten, Gelsenkirchen, Dortmund, Wuppertal und im Kreis Mettmann. An den Durchsuchungen waren neben starken Polizeikräften auch der Zoll, die Steuerfahndung, städtische Behörden und in einigen Städten auch die Bundespolizei beteiligt. An der Razzia in Essen war auch die Bezirksregierung Düsseldorf mit dem Sonderdezernat „Glücksspiel und Geldwäscheprävention“ dabei.

Die NRW-Landesregierung fährt seit über zwei Jahren einen harten Kurs gegen Clankriminalität. Das Landeskriminalamt hatte im Mai 2019 das erste Lagebild zur Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Demnach sah die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 sollen rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

(dpa)